Eine Palästinenserin im Gazastreifen beklagt währen der Waffenruhe die Zerstörungen durch die Kämpfe der vergangenen Tage. © Mohammed Abed/AFP/Getty Images

Aus dem Gazastreifen sind wieder Raketen Richtung Israel abgefeuert worden. Dies bestätigten sowohl die israelische Armee wie auch die Hamas selbst. Der Beschuss habe sich kurz nach dem Auslaufen der mit der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas vereinbarten zwölfstündigen Feuerpause ereignet, teilte eine Militärsprecherin über Twitter mit.

Die Hamas hat eine Verlängerung der Waffenruhe nach eigenen Angaben abgelehnt. Die Palästinenser würden sich nicht an die vier weiteren Stunden Waffenruhe halten, sagte das ranghohe Hamas-Mitglied Sami Abu Suhri. In mehreren Regionen im Süden Israels ertönten am späten Abend die Sirenen. Über der Stadt Aschkelon schoss die israelische Raketenabwehr zwei Geschosse ab, meldete das Militär.

Israel hatte sich zuvor zu einer Verlängerung der Feuerpause um vier Stunden bis Mitternacht bereit erklärt. Der zwölfstündige Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas war am Morgen in Kraft getreten und sollte eigentlich um 19.00 Uhr MESZ zu Ende gehen. Die Entscheidung des Sicherheitskabinetts fiel dem Bericht zufolge rund zwei Stunden vor Auslaufen der eigentlich geltenden Frist. Zuvor war international massiver Druck auf beide Seiten ausgeübt worden, die Feuerpause zu verlängern.

Die Außenminister von sieben Staaten hatten sich in Paris zu einem Krisengipfel getroffen. "Wir sind übereingekommen, die Parteien zu einer Verlängerung des Waffenstillstandes aus humanitären Gründen aufzurufen", sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Anschluss.

An den Gesprächen hatten neben Steinmeier die Außenminister von Frankreich, USA, Großbritannien, Italien, Katar und der Türkei teilgenommen. Zudem war die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton dabei. Sie waren zusammengekommen, um über Wege zu einem Ende der Gewalt im palästinensischen Gazastreifen zu beraten.

Mehr als 1.000 Tote in Gaza

Die aktuelle Waffenruhe müsse dafür genutzt werden, die humanitäre Situation in Gaza zu verbessern, sagte Steinmeier in Paris. "Wir müssen zudem die Zeit nutzen, um Verhandlungen für einen dauerhaften Waffenstillstand vorzubereiten." Frankreichs Außenminister Laurent Fabius regte eine Vereinbarung für einen langfristigen Waffenstillstand an. Eine solche Einigung müsse die Sicherheitsbedürfnisse Israels ebenso berücksichtigen wie die Forderung der Palästinenser, die Grenzblockade zu lockern.

Die Feuerpause nutzen viele Palästinenser, um sich mit Nahrung, Wasser und Medikamenten zu versorgen. Die Rettungskräfte in Gaza konnten erstmals seit Beginn des Konfliktes ohne Beschuss Leichen bergen. Dabei seien binnen Stunden mehr als 100 Tote aus früheren Gefechten gefunden worden, hieß es von palästinensischer Seite. Die Gesamtzahl der Opfer seit Beginn der israelischen Offensive steige damit auf über 1.000. Auf israelischer Seite starben nach Regierungsangaben 37 Soldaten und drei Zivilisten.