Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama haben erstmals seit Beginn des jüngsten Spionageskandals wieder miteinander gesprochen. Nach Angaben der amerikanischen Regierung diskutierten die beiden Politiker dabei auch über die Kooperation der Geheimdienste beider Länder. Obama sagte demnach, er wolle mit Deutschland im Gespräch bleiben, um eine Verbesserung der Geheimdienstkooperation zu erreichen. Der US-Präsident suche dafür den engen Kontakt zur Kanzlerin.  Ein Sprecher der Bundesregierung konnte zunächst keine Angaben zu dem Telefonat machen.

Merkel und Obama hatten nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Spionagefälle tagelang nicht miteinander gesprochen. Die Kanzlerin sah die gemeinsame Vertrauensbasis erschüttert. Als Reaktion forderte die Bundesregierung den obersten US-Geheimdienstvertreter in Berlin auf, Deutschland zu verlassen. Laut Medienberichten wird der Mitarbeiter noch diese Woche aus Deutschland ausreisen. Die US-Regierung war über die Reaktion der Deutschen verärgert.

Deutsche Behörden ermitteln derzeit gegen zwei mutmaßliche US-Spione beim Bundesnachrichtendienst und im Verteidigungsministerium.  Medienberichten zufolge haben amerikanische Agenten außerdem gezielt deutsche Politiker ausspioniert.

Einig in der Haltung zu Russland

Trotz der Differenzen wegen des Spionageskandal waren sich Merkel und Obama bei anderen internationalen Themen einig: Beide teilten laut Weißem Haus die Forderung, dass Russland stärker zu einer Entspannung der Lage in der Ostukraine beitragen müsse. Dazu zähle unter anderem die Unterstützung einer beidseitigen Waffenruhe. Die russische Regierung müsse verhindern, dass Waffen und Kämpfer über die Grenze gelangen.

Wenige Tage vor Ende der Verhandlungsfrist stimmten Merkel und Obama außerdem ihre Position zum iranischen Atomprogramm ab. Die Regierung in Teheran müsse noch wichtige Schritte unternehmen, um die Weltgemeinschaft von den friedlichen Zwecken ihres Nuklearprogramms zu überzeugen, heißt es in der Mitteilung aus dem Weißen Haus.