Russlands Präsident Wladimir Putin und Fifa-Chef Sepp Blatter beim WM-Finale in Brasilien © Dylan Martinez/Reuters

Nach dem mutmaßlichen Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeugs über dem Osten der Ukraine stellen mehrere deutsche Politiker die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 durch Russland infrage. Wenn Russlands Präsident Wladimir Putin "nicht aktiv an der Aufklärung des Flugzeugabsturzes mitwirkt, ist die Fußball WM 2018 in Russland unvorstellbar", sagte der Vorsitzende der Sportministerkonferenz der Länder, Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) in der Mittwochsausgabe der Bild. Er forderte, die Fifa müsse prüfen, ob die WM-Vergabe noch aufrechterhalten werden könne.

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Michael Fuchs, fordert sogar eine Aberkennung der Gastgeberrolle Russlands. "Ein Land, das nicht einmal die Überflugrechte von Flugzeugen garantieren kann, sollte keine Weltmeisterschaft ausrichten", sagte er der Mittwochsausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ). Die WM in vier Jahren in Russland auszurichten sei "nicht angemessen". Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Stephan Mayer (CSU), äußerte sich ähnlich. "Sollte Präsident Putin nicht einlenken und die Krise weiter anheizen, darf es auch kein Tabu mehr sein, Russland die Fußball-WM 2018 zu entziehen", sagte Mayer.

Grünen-Politiker Volker Beck sagte der HAZ: "Man darf eine Fußball-WM nicht in einem Land austragen, das völkerrechtswidrig einen Teil eines anderen Landes annektiert hat." Marieluise Beck, Obfrau der Grünen im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, erinnerte an den umstrittenen WM-Zuschlag für Russland vor dreieinhalb Jahren. "Die Vergabe der Fußball-WM an Russland war bereits vor der Ukraine-Krise fragwürdig, weil der Kreml seit Jahren Bürgerrechte immer weiter einschränkt." Russlands Präsident Wladimir Putin sei "kein würdiger Gastgeber".

Russland startet den Bau der WM-Stadien

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek warnte seinerseits davor, Putin eine "Bühne für seine Propagandashow" zu geben. Der Weltfußballverband Fifa hielt in der russischen Stadt Samara am Montag anlässlich des Baubeginns eines neuen WM-Stadions eine feierliche Zeremonie ab, bei der auch Putin anwesend war.   

Bundeswirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel wollte sich an der Diskussion nicht beteiligen. "Jetzt vier Jahre im Voraus eine Debatte über die nächste Fußball-Weltmeisterschaft zu führen, halte ich nicht für besonders klug", sagte der er der Nachrichtenagentur dpa. Er könne aber verstehen, dass gerade die Niederländer mit über 190 Toten enorm unter Schock stünden. "Da gibt es Hunderte Familien, die betroffen sind." Der frühere niederländische Nationalspieler John van 't Schip hatte zuvor zu einem Boykott der Fußball-WM in Russland via Twitter aufgerufen.

Gabriel kritisierte das Verhalten der Separatisten und des russischen Präsidenten nach dem Absturz. "Die Lage ist entsetzlich bis hin dazu, wie mit den Toten umgegangen wurde." Entsetzlich sei aber auch, "dass die russische Regierung im Grunde tagelang auf Tauchstation war". Putins Regierung habe immer wieder Chancen verpasst, den Konflikt zu deeskalieren und zu Verhandlungen zu kommen. "Insofern trägt er mindestens eine indirekte Mitverantwortung für die Eskalation des Konfliktes", sagte Gabriel mit Blick auf den Kremlchef.

Kosten für den Westen laut Gabriel zweitrangig

Gabriel ist nach eigenen Worten bereit, auch Kosten für die deutsche Wirtschaft hinzunehmen, um Russland mit Sanktionen zum Einlenken zu bewegen. Die wirtschaftlichen Folgen für den Westen seien zweitrangig. "Wenn wir in Europa Krieg und Bürgerkrieg haben, ist die Frage, ob man Sanktionen anwendet, keine Frage der Wirtschaftspolitik. Dann wären wir ja Pfeffersäcke, die nur danach schauen würden, kostet uns das Geld", sagte Gabriel. "Und wenn das Geld kostet, dann sehen wir dem Sterben der Menschen zu – das können wir nicht machen."

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov spricht sich eine Mehrheit der Deutschen nach dem Absturz von Flug MH17 für Handelssanktionen gegen Russland aus. 53 Prozent würden dies unterstützen. Nur 26 Prozent sprachen sich dagegen aus. Auch das Einfrieren russischer Bankkonten im Westen befürworten 53 Prozent, 30 Prozent sind dagegen. 

Die Regierung in Moskau steht seit Monaten wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim und ihrer Unterstützung der prorussischen Aufständischen im Osten der Ukraine in der Kritik. Wegen Russlands Rolle in dem Konflikt beschlossen die EU und die USA bereits in mehreren Runden Sanktionen gegen russische Verantwortliche und Institutionen. Nach dem wahrscheinlichen Abschuss des Flugs MH17 erwägen sie eine weitere Verschärfung der Strafmaßnahmen.