Ein Rebellenkommandeur in der Ostukraine hat in einem Interview eingeräumt, dass Separatisten zeitweise über Buk-Luftabwehrraketen verfügt haben. Alexander Chodakowski, der Kommandeur des Wostok-Bataillons, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das System stamme möglicherweise aus Russland und sei eventuell dahin zurückgebracht worden, um zu verschleiern, dass sie in Besitz der Rebellen waren. Mit solchen Buk-Raketen wurde nach US-Informationen die Passagiermaschine von Malaysian Airways abgeschossen. 

"Ich weiß von diesem Buk-System", sagte der Rebellenkommandeur der Nachrichtenagentur. "Ich habe davon gehört. Ich denke, sie haben es zurückgeschickt. Denn ich habe genau in dem Moment davon erfahren, als diese Tragödie geschehen ist. Sie haben es vermutlich zurückgeschickt, um den Beweis seiner Existenz zu beseitigen."

"Ich weiß, dass ein Buk-System von Luhansk gekommen ist", sagte Chodakowski. Man habe ihn darüber informiert, dass dieses Raketenabwehrsystem unter die Flagge der Volksrepublik Luhansk gestellt werde. Dies ist die größte Rebellengruppe, die in der Region um die Stadt operiert. In der Gegend war Flug MH17 abgeschossen worden.

Vorwurf an ukrainische Regierung

Chodakowski ist ein früherer Chef der Anti-Terror-Einheit "Alpha" des Sicherheitsdienstes in Donezk. Zwischen ihm und anderen Rebellenkommandeuren ist es in der Vergangenheit zu Reibereien gekommen.

Am Donnerstag revidierte Chodakowski seine Aussage allerdings. "Ich habe keine Kenntnis davon, dass die Aufständischen eine solche Waffe besitzen", sagte er im russischen Staatsfernsehsender Russia Today. Er bestätigte zwar, dass er mit einem Journalisten eines westlichen Mediums verschiedene Möglichkeiten für den Abschuss der malaysischen Passagiermaschine MH17 durchgesprochen habe.

Bei dem auf Video aufgezeichneten Gespräch habe es allerdings einen "roten Faden" gegeben mit der Aussage, dass er den Buk-Einsatz nicht bezeugen könne, sagte Chodakowski. Andere Separatistenführer teilten erneut mit, dass die prorussischen Kräfte kein solches Waffensystem genutzt hätten.

Vor dem Absturz hatten Rebellen damit geprahlt, sie verfügten über Buk-Raketensysteme. Doch seither hat die Volksrepublik Donezk, die wichtigste Separatistenorganisation in der Ostukraine, den Besitz solcher Abwehrwaffen bestritten. Chodakowski räumte nun erstmals nach dem Absturz ein, dass Rebellen über diese Raketen verfügten.

Der ukrainischen Führung in Kiew warf er vor, den Abschuss "provoziert" zu haben. "Sie wussten, dass dieses Buk-System existiert hat, dass es auf dem Weg nach Sneschnoje war", sagte Chodakowski unter Verweis auf ein zehn Kilometer westlich der Absturzstelle gelegenes Dorf. Die Regierung habe gewusst, dass die Raketen dort stationiert werden würden. Indem sie einen Luftangriff auf ein Ziel begonnen habe, hätte sie den Einsatz herausgefordert.