US-Präsident Barack Obama hat die Konfliktparteien in Nahost zur Mäßigung aufgerufen. "In diesem Moment der Gefahr müssen alle Beteiligten die Unschuldigen schützen, mit Vernunft und Maß agieren, nicht mit Rache und Vergeltung", schreibt Obama in einem Beitrag, der in Deutschland exklusiv in der aktuellen ZEIT erscheint.  

Nach der Entführung und Ermordung dreier israelischer Jugendlicher sowie dem Rachemord an einem Palästinenser appelliert Obama sowohl an Israel als auch Palästinenser, jetzt mutige Entscheidungen zu treffen: "Beide Parteien müssen gewillt sein, für den Frieden Risiken in Kauf zu nehmen." Eine Zweistaatenlösung sei weiterhin der einzige Weg zu dauerhaftem Frieden in Nahost. "Die einzige Lösung ist ein demokratischer, jüdischer Staat, der in Frieden und Sicherheit lebt, Seite an Seite mit einem existenzfähigen, unabhängigen Palästinenserstaat."

Deswegen blieben Außenminister John Kerry und er selbst entschlossen, sowohl mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu als auch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas eine Zweistaatenlösung anzustreben, so Obama in der am Donnerstag erscheinenden Zeitung. "Wenn der politische Wille da ist, ernsthafte Verhandlungen wiederaufzunehmen, werden die Vereinigten Staaten bereit sein, ihren Teil beizutragen."

Sicherheit könne in der Region nur "eine umfassende Einigung", bringen, schreibt der US-Präsident. Frieden sei unabdingbar, und er sei auch gerecht: "Genauso wie das israelische Volk das Recht hat, im historischen Heimatland des jüdischen Volkes zu leben, verdient das palästinensische Volk das Recht auf Selbstbestimmung. Palästinensische Kinder haben Hoffnungen und Träume für ihre Zukunft und verdienen es, mit einer Würde zu leben, die nur ein eigener Staat ermöglicht."

Die amerikanische Unterstützung für Israel bezeichnet Obama als nicht verhandelbar. "Ich habe es immer wieder gesagt: Weder die Vereinigten Staaten noch ich werden jemals in unserem Bekenntnis zu Israels Sicherheit und zum israelischen Volk wanken." Die Zusammenarbeit beider Länder sei in den vergangenen fünf Jahren ausgeweitet worden, heute seien die Beziehungen in Sicherheitsfragen zwischen Israel und den USA stärker als je zuvor.

Sein Land stelle jährlich mehr als drei Milliarden Dollar bereit, um Israels Sicherheit bis zum Jahr 2018 mitzufinanzieren. Obama bezeichnet auch die Zusammenarbeit der Geheimdienste beider Länder als so eng wie nie zuvor.

Obama bekennt sich zu Engagement im gesamten Nahen Osten

Der Einsatz der USA für Israel umfasse ein Engagement im gesamten Nahen Osten. Etwa die Auflösung des Chemiewaffenbestands von Syriens Machthaber Bashar al-Assad vermindere die "Fähigkeit eines brutalen Diktators nicht nur das syrische Volk, sondern auch Syriens Nachbarn, darunter Israel, zu bedrohen".

In Bezug auf die Atomverhandlungen mit dem Iran betonte der US-Präsident, dass eine friedliche Lösung im Vordergrund stehe, bei einem Scheitern der Gespräche allerdings andere Vorgehensweisen nicht auszuschließen seien: "Wir sind entschlossen, den Iran daran zu hindern, sich Atomwaffen zu beschaffen, und wir behalten alle Optionen auf dem Tisch, um dieses Ziel zu erreichen."

Der Beitrag erscheint für Deutschland exklusiv in der ZEIT. Obama hat ihn für die Israel Conference on Peace geschrieben. Der Text wurde in der israelischen Tageszeitung Haaretz erstveröffentlicht.