Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko © Gleb Garanich/Reuters

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat den prorussischen Separatisten Vergeltung für einen Raketenwerfer-Angriff auf die Regierungstruppen angedroht. Für jeden getöteten ukrainischen Soldaten würden die Rebellen mit Hunderten ihrer Leute zahlen, schrieb Poroschenko auf seiner Internetseite. Kein einziger Terrorist werde seiner Verantwortung entgehen.

Bei dem Angriff sollen nach Angaben aus dem Innenministerium mindestens 30 Soldaten und Grenzschützer getötet worden sein. Eine Antwort auf den "terroristischen Akt" werde nicht lange auf sich warten lassen, kündigte ein Ministeriumsberater an, der die Separatisten als "blutrünstigen Abschaum" bezeichnete.

Die Regierungstruppen gehen mit einer abgestimmten Offensive von Armee und Truppen des Innenministeriums gegen die Separatisten vor, die im Gebiet von Donezk, Luhansk und Slowjansk "unabhängige Volksrepubliken" ausgerufen hatten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte Poroschenko in einem Telefonat, "bei seinem legitimen Vorgehen gegen die Separatisten Verhältnismäßigkeit zu wahren und die Zivilbevölkerung zu schützen". 

Amnesty prangert Folter und Geiselnahmen an

Laut Amnesty International ließen sich sowohl die prorussischen Separatisten als auch die Soldaten in dem Konflikt bereits "gravierende Menschenrechtsverletzungen" zuschulden kommen. Aktivisten, Demonstranten und Geiseln seien nach eigenen Schilderungen auf "erschütternde" Weise behandelt worden, heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation. 

Ein Amnesty-Team prüfte demnach in den vergangenen Wochen Foltervorwürfe gegen beide Seiten und arbeitete mit verschiedenen Menschenrechtsgruppen vor Ort zusammen. Obwohl keine genauen Zahlen vorlägen, sei von Hunderten Entführungen auszugehen.

Opfer seien oftmals Zivilisten, erklärte Amnesty. Die Gewalt der bewaffneten Separatisten treffe dabei nicht nur politische Gegner, sondern diene auch dazu, "die Zivilbevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen und zu kontrollieren". Die Erpressung von Lösegeld sei ebenfalls ein Motiv, hieß es in dem Bericht. "Die Angst vor Repressalien, Entführungen und Folter" sei bei vielen Menschen im Osten der Ukraine "allgegenwärtig".