Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor (Archiv) © Fredrik von Erichsen/dpa

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, hat Israelis wie Palästinensern angesichts der jüngsten Eskalation vorgeworfen, an echten Verhandlungen nicht interessiert zu sein. "Ich glaube, dass es nur die eine Chance gibt: dass sich die Amerikaner wieder einmischen und diesmal Verhandlungen erzwingen. Das können sie, weil beide Seiten von ihnen abhängig sind", sagte Primor der Berliner Zeitung. Er halte es aber für unwahrscheinlich, dass sich die USA vor den Kongresswahlen im November in den Konflikt einschalten werden.

Primor sagte weiter, er fürchte einen neuen Volksaufstand der Palästinenser gegen Israel. "Selbst wenn die Palästinenser zu der Überzeugung kämen, dass eine dritte Intifada nichts bringen würde, kann es sein, dass sie derart verzweifelt sind, dass sie irrational reagieren", sagte Primor. Auch die Experten in Israel gingen von einer dritten Intifada aus, sollte sich nach den Kongresswahlen in den USA im November nichts bewegen, erklärte er.

Der erste Aufstand gegen Israel dauerte von Ende 1987 bis 1993, die zweite Intifada von Ende 2000 bis Anfang 2005. 

Bei der israelischen Offensive gegen Extremisten im Gazastreifen wurden indessen am ersten Tag nach palästinensischen Angaben mindestens 25 Menschen getötet. Etwa 130 seien verletzt worden, berichteten Sanitäter und Sicherheitsleute. Seit Beginn der Offensive habe Israel mehr als 270 "Terrorziele" im Gazastreifen angegriffen, sagte der Sprecher der Streitkräfte, Brigadegeneral Moti Almoz

Die radikalen Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad setzten unterdessen ihren Raketenbeschuss Israels fort. Die Angriffe wurden auch auf die israelischen Großstädte Tel Aviv und Jerusalem ausgeweitet.