Deutschlands Außenpolitik muss robuster werden — nach allen Richtungen hin. Das ist die Forderung der Stunde. Sie gründet auf einem Missverständnis.

Deutschland nämlich tritt außenpolitisch seit Langem schon kraftvoll auf. Oder gibt es etwas Robusteres als den Stahl eines Leopard-Panzers? Hunderte dieser Produkte deutscher Waffenschmiedekunst können nach Saudi-Arabien exportiert werden. Die Regierung genehmigt den Export. Das ist eine außenpolitische Entscheidung, keine rein wirtschaftspolitische.

Deutsche Waffenexporte hat Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einiger Zeit mit dem etwas verschachtelten Satz begründet: "Wer sich der Friedenssicherung verpflichtet fühlt, aber nicht überall auf der Welt eine aktive Rolle in der Friedenssicherung übernehmen kann, der ist auch dazu aufgerufen, vertrauenswürdigen Partnern zu helfen, damit sie entsprechende Aufgaben übernehmen."

Übersetzt heißt das: Ich werde die Deutschland aus Konflikten heraushalten, indem ich Waffen an unsere Freunde liefere, die gegen unsere Feinde stehen. Andere sollen Krieg für uns führen. Am besten mit unseren Waffen. Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Deutsche Soldaten müssen ihr Leben nicht riskieren, und es klingelt in der Kasse der deutschen Wirtschaft.

Was will man mehr?! Ist doch wunderbar!

Nur: Wer ist Freund? Wer ist der Feind? Bis gestern schien das noch klar zu sein.

Saudi-Arabien rüstete mit Blick auf seinen Erzfeind Iran auf. Ein militärisch starkes Königreich sollte abschreckend auf das Regime in Teheran wirken. Das ist das politische Kalkül hinter dem Panzerexport.

Doch die Lage hat sich dramatisch verändert. Die sunnitische Terrororganisation Isis hat ein Kalifat ausgerufen. Ihr Führer erklärt sich zum Kalifen Ibrahim. Ein Schockwelle geht seither durch den ganzen Nahen Osten. Die Kämpfer von Isis werden nun wohl von allen als tödliche Bedrohung empfunden. Der schiitische Iran erscheint plötzlich in einem anderen Licht, weniger als Feind, sondern als möglicher Partner in einer informellen Kriegskoalition gegen Isis. Zu dieser Kriegskoalition könnte auch Saudi-Arabien gehören.

Die deutsche Regierung genehmigt den Waffenexport in die Region in der Annahme, dass man klar zwischen Freund und Feind trennen könne. Das Freund-Feind-Schema im Nahen Osten ist aber völlig durcheinandergeraten.

Die Saudis schickten vor einigen Tagen 30.000 Soldaten an die Grenze zum Irak – offiziell eine Vorsichtsmaßnahme. Möglich, dass die Saudi-Arabien direkt in den Krieg im Nahen Osten hineinziehen wird. Möglich, dass dabei deutsche Panzer zum Einsatz kommen. 

Man stelle sich mal Folgendes vor. Isis-Kämpfer erbeuten im Kampf gegen saudische Truppen Panzer und erzielen danach weitere militärische Erfolge.

Und irgendwann wird Kalif Ibrahim in Bagdad einrollen – auf einem Leopard-Panzer deutscher Produktion.