Frauen und Kinder warten im Mingkaman-Flüchtlingslager auf die Ausgabe von Lebensmittelrationen (Archiv). © Kate Holt/UNICEF/Handout/Reuters

Pünktlich zum dritten Geburtstag in der vergangenen Woche hatte es der Südsudan auf den ersten Platz des Indexes gescheiterter Staaten geschafft, der jedes Jahr von der US-Organisation Fund for Peace veröffentlicht wird. Der Konflikt, der Ende letzten Jahres ausgebrochen ist, hat den jüngsten Staat der Welt zurück auf den Nullpunkt und in eine humanitäre Notlage versetzt.

Die südsudanesische Regierung lehnt diese Einstufung stark ab: "Unlängst hat eine andere Studie Präsident Barack Obama als schlechtesten Präsidenten in der Geschichte Amerikas bezeichnet. Ich glaube nicht, dass Obama das akzeptiert, und wir akzeptieren diese Studie nicht. 90 Prozent der Bevölkerung sind von diesem Konflikt nicht betroffen", sagte Ateny Wek Ateny, Sprecher des Präsidenten.

Auch wenn die Studie methodologisch hinterfragbar wäre, weisen Statistiken der UN darauf hin, dass mittlerweile jeder Zweite an den Folgen des Konflikts leidet. Zehntausende Menschen sind ums Leben gekommen, und 1,5 Millionen sind auf der Flucht. Die UN warnen nun davor, dass bis zu vier Millionen von einer Hungersnot bedroht sind.

Der anhaltende Konflikt brach im vergangenen Dezember aus, als Präsident Salva Kiir seinem Rivalen, dem ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar, einen Putschversuch unterstellte. Die Kämpfe in Juba griffen auf das ganze Land über und schlugen schnell in ethnische Gewalt um. Die politische Krise bahnte sich jedoch schon Monate zuvor an, angekündigt von wachsenden Unstimmigkeiten innerhalb der Regierungspartei SPLM (Sudan People’s Liberation Movement). Präsident Salva Kiir regierte zunehmend per Dekret, und entließ im Juli 2013 das gesamte Kabinett.

Machtkampf statt Konfliktlösung

In einer ungewöhnlich ehrlichen Stellungnahme zum Ende ihrer Amtszeit als UN-Sondergesandte kritisierte Hilde F. Johnson die Regierungspartei SPLM deutlich: "Wenn die Menschen und das Land Priorität haben, ist es nicht schwer, Lösungen zu finden. Falls es weitere Verzögerungen in den Friedensverhandlungen gibt, können wir nur eine Schlussfolgerung ziehen: dass es hier nur um einen reinen Machtkampf geht."

Öffentliche Kritik wie diese ist zu selten und der Druck der internationalen Gemeinschaft zu mäßig, um die Friedensverhandlungen in Addis Abeba wirkungsvoll zu beeinflussen. Nach sechs Monaten und nur wenig Erfolg wurden sie auf ungewisse Zeit vertagt. Gegenseitige Anschuldigungen und unnachgiebige Machtansprüche haben bislang eine politische Lösung des Konflikts erschwert. Experten zufolge haben sich die Fronten in der Zwischenzeit verfestigt, und die Truppen agieren zunehmend autonom, ein schnelles Ende der Kampfhandlungen erscheint unwahrscheinlich.

Mary Boyoi, eine bekannte südsudanesische Sängerin, war stolz auf ihren Auftritt bei den Unabhängigkeitsfeierlichkeiten vor drei Jahren. Heute engagiert sie sich dafür, Frauen zu mobilisieren, die sich am Friedensprozess beteiligen. Auch sie befürchtet, dass die Gespräche in einer Sackgasse angelangt sind. "Die Delegierten schlafen in Fünf-Sterne-Hotels, während die Bevölkerung Hunger leidet. Sollen sie doch hier im Südsudan verhandeln, wo das Elend herrscht. Dann werden sie sich schon beeilen."

Stark umkämpfte Städte wie Bentiu im Staat Unity sind von dem Konflikt am stärksten betroffen. Bereits zwölfmal wechselten sich die Regierung und die Rebellen in der Kontrolle Bentius ab, bis die Stadt am 15. April im Grunde komplett zerstört wurde. Mehr als 45.000 Menschen suchten Zuflucht im nahe gelegenen UN-Lager.