Türkinnen in einem Vergnügungspark in Istanbul. © Mustafa Ozer/AFP/GettyImages

Der türkische Vizeregierungschef Bülent Arınç will nicht, dass Frauen in der Öffentlichkeit laut lachen. Das vertrage sich ebenso wenig mit dem Wert der Tugendhaftigkeit wie die Zurschaustellung weiblicher Reize, sagte Arınç laut Zeitungsberichten auf einer öffentlichen Veranstaltung.

Der Regierungssprecher und einer der Stellvertreter von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan kritisierte auch einen angeblichen Hang von Frauen zu "stundenlangen" Gesprächen am Handy. Dabei würden Kochrezepte ausgetauscht und Klatschgeschichten erzählt. Frauen sollten sich solche Gespräche für persönliche Treffen aufsparen. Die Opposition kritisierte die Äußerungen des Politikers.

Arınç beklagte zudem einen allgemeinen Verfall der Moral in der Türkei. Probleme wie wachsender Drogenkonsum schon bei jungen Menschen sowie Gewalt gegen Frauen seien Zeichen eines moralischen Niedergangs. Fernsehsendungen führten zudem zu einer "Sex-Abhängigkeit" junger Leute. Dabei sei Keuschheit ein "Zierde" nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer.

Als Gegenmittel empfahl Arınç den muslimischen Türken die Lektüre des Koran. Die Tugendhaftigkeit sei ein hoher Wert. Männer sollten ihren Frauen treu bleiben, und Frauen sollten in der Öffentlichkeit weder laut lachen noch ihre Attraktivität zeigen.

Der Kandidat der großen Oppositionsparteien für die Präsidentschaftswahl am 10. August, Ekmeleddin İhsanoğlu, wies Arınçs Äußerungen zurück. Nichts brauche die Türkei so sehr wie das fröhliche Lachen von Frauen, erklärte İhsanoğlu auf Twitter. Die Fernsehjournalistin Banu Güven rief zu wöchentlichen Lach-Kundgebungen von Frauen auf.