In der Türkei sind bei einem landesweiten Einsatz mindestens 52 ranghohe Polizisten festgenommen worden. Ihnen wird im Zuge der Ermittlungen gegen Gegner von Regierungschef Recep TayyipErdoğanKorruption und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Das berichten mehrere Fernsehsender übereinstimmend.

Allein 40 derzeitige und frühere Führungskräfte der Polizei wurden demnach in Istanbul festgenommen, darunter der ehemalige Leiter der städtischen Anti-Terror-Einheit. In den Medien wurde das Vorgehen einhellig als Schlag gegen die Bewegung des islamischen Predigers und Erdoğan-Rivalen Fethullah Gülen gewertet.

Hintergrund ist ein Machtkampf zwischen Erdoğans islamisch-konservativer Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) und der Bewegung des im Exil lebenden Gülen, der besonders in Justiz und Polizei über zahlreiche Anhänger verfügen soll. Erdoğan ließ wegen eines angeblichen Komplotts gegen seine Regierung seit Ende vergangenen Jahres zahlreiche Polizisten, Richter und Staatsanwälte versetzen.

Auslöser war die Festnahme von mehreren Dutzend Politikern und Wirtschaftsmanagern aus dem Umfeld der Erdoğan-Regierung im Dezember vergangenen Jahres, die von Istanbuler Staatsanwälten angeordnet worden war. Den Politikern und Managern wurde die Verwicklung in einen weitverzweigten Korruptionsskandal vorgeworfen, bei dem es um illegale Goldgeschäfte mit dem Iran, Bestechung und rechtswidrige Baugenehmigungen geht. In der Folge wurde auch das türkische Kabinett umgebildet.