Im Konflikt um den Absturz von Flug MH17 hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko Verhandlungen mit der russischen Seite in Belarus (Weißrussland)  vorgeschlagen. Wegen anhaltender Kämpfe können Experten die Unglücksstelle seit Tagen nicht erreichen. Vermutlich am Donnerstag soll die sogenannte Ukraine-Kontaktgruppe in Belarus zusammenkommen, um Möglichkeiten für einen freien Zugang zur Absturzstelle des malaysischen Flugzeugs im ostukrainischen Rebellengebiet auszuloten. Das Büro des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko teilte mit, sein Land komme damit einer Bitte des ukrainischen Präsidenten nach. In dem Gespräch solle auch über die Freilassung von "Geiseln" der prorussischen Rebellen gesprochen werden, hieß es auf der Facebook-Seite des ukrainischen Präsidenten. Die ehemalige Sowjetrepublik Weißrussland hat enge Beziehungen zu Russland wie auch zur benachbarten Ukraine.

Gemäß dem Vorschlag könnten der frühere ukrainische Präsident Leonid Kutschma, der russische Botschafter in der Ukraine, Michail Surabow, sowie ein Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der belarussischen Hauptstadt verhandeln. Es gab keine Hinweise darauf, dass auch Vertreter der Separatisten teilnehmen werden. In der Erklärung des belarussischen Präsidialamtes hieß es lediglich, alle interessierten Parteien seien eingeladen.

Flug MH17 von Malaysia Airlines mit 298 Menschen an Bord war am 17. Juli im Osten der Ukraine abgestürzt. Kiew und die prorussischen Separatisten werfen sich gegenseitig vor, das Flugzeug abgeschossen zu haben. Kämpfe zwischen der ukrainischen Armee und den Rebellen machen internationalen Experten den Zugang zum Unglücksort unmöglich.

Die Europäische Union und die USA werfen Russland vor, die Separatisten zu unterstützen, indem es ihnen Kämpfer und Waffen schickt. Am Dienstag verhängte die EU erstmals Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Auch die USA verschärften ihre Sanktionen. Russland reagierte bislang nicht darauf.

Ukrainische Armee rückt vor

Die Kämpfe zwischen den Separatisten und der ukrainischen Armee gehen derweil weiter. Nach eigenen Angaben eroberte die Armee die Stadt Awdiiwka rund zehn Kilometer nördlich von Donezk zurück und startete zudem einen Angriff auf den von Rebellen gehaltenen Ort Ilowajsk östlich von Donezk. Die Armee nähert sich damit Donezk und Luhansk, den wichtigsten Stellungen der Aufständischen.

Bei den Kämpfen sind laut Behörden 19 Menschen getötet worden. Die Regionalverwaltung von Donzek teilte auf ihrer Webseite mit, dass in den vergangenen 24 Stunden 31 Menschen mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht wurden.

Für die medizinische Versorgung der Menschen in den selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk sagte der vom Westen mit Sanktionen belegte tschetschenische Republikchef Ramsan Kadyrow finanzielle Hilfe zu. Weil bei Panzerattacken und Luftschlägen in den von Kiew nicht anerkannten Volksrepubliken täglich Menschen getötet und verletzt würden, habe er humanitäre Hilfe in Höhe von 7,5 Millionen US-Dollar angewiesen, schrieb Kadyrow auf Instagram.

Die Hilfe Kadyrows sei eine Reaktion auf die Ankündigung der USA, für den Wiederaufbau der Ostukraine sieben Millionen US-Dollar bereitzustellen, berichteten russische Medien. Das tschetschenische Geld stammt nach Darstellung Kadyrows aus einer Stiftung, die nach seinem Vater Achmat benannt ist.