Mit deutlichen Worten hat die Nato das russische Verhalten in der Ukraine-Krise kritisiert. Die Regierung in Moskau verbreite Unwahrheiten, heißt es in einer Erklärung des westlichen Militärbündnisses. Die russische Aggression gegenüber der Ukraine habe dazu geführt, dass Russland international isoliert dastehe. Davon wolle der Kreml ablenken.

Russland habe gegen Regeln und Verträge verstoßen und ignoriere die andauernden Bemühungen der Nato, eine gemeinsame Partnerschaft aufzubauen. "Russland hat außerdem die ukrainischen Behörden grundlos attackiert und mit Gewalt einen Teil des ukrainischen Staatsgebiets eingenommen", teilte das Bündnis mit.

Entschieden wies die Nato Vorwürfe aus Russland zurück, dass die ukrainische Regierung illegal sei: Petro Poroschenko sei am 25. Mai rechtmäßig gewählt worden. "Der Präsident besitzt Legitimität, die Separatisten nicht."

Putin stellt laut Nato aberwitzige Behauptungen auf

Anders als Russland zeige die Nato darüber hinaus Respekt vor internationalen Grenzen: Russland habe nicht nur die Krim illegal annektiert, sondern auch zugelassen, dass Söldner und schwere Waffen über seine Grenzen in die Ukraine gelangten, heißt es in der Erklärung. Eine "aberwitzige Behauptung" von Putin sei es gewesen, dass Russland auf der Krim eingreifen musste, um die Stationierung von Nato-Schiffen und -Raketen in Sewastopol zu verhindern, schreibt das Bündnis. "Das ist totale Fantasterei."

Das westliche Militärbündnis reagiert mit der Erklärung auf die jüngste Kritik aus Russland: Am Dienstag hatte Putin der Nato ein aggressives Vorgehen in Osteuropa vorgeworfen und das Bündnis beschuldigt, sich in die inneren Angelegenheiten Russlands einzumischen.

Merkel will umfassende Sanktionen

In der Frage um weitere Strafen gegen Russland hat Kanzlerin Angela Merkel gefordert, dass die EU schnell substanzielle Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängen müsse. Da Russland nicht daran interessiert sei, den Absturz von Malaysia-Airlines-Flug 17 aufzuklären, halte die Kanzlerin rasche Beschlüsse für nötig, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter.

Merkel habe begrüßt, dass die EU-Kommission am Donnerstag Vorschläge vorlegen will, wie der Zugang zum Kapitalmarkt, zu Rüstung, Dual-Use-Gütern und Technologien beschränkt werden kann. Die EU-Botschafter sollen umgehend Sanktionen gegen erste russische Firmen verhängen, hieß es aus Regierungskreisen.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) teilte zudem mit, dass sie keine neuen Kredite an Russland vergeben und so einen Beschluss des EU-Gipfels umsetzen werde.

Am Dienstag hatten die EU-Außenminister beschlossen, dass auch Personen mit Sanktionen belegt werden können, die russische Entscheidungsträger unterstützen, die für die Eingliederung der ukrainischen Krim oder die Destabilisierung der Krim verantwortlich sind. Zudem sollen Personen sanktioniert werden können, die durch solche Entscheidungsträger begünstigt werden.