Prorussische Separatisten am Absturzort von MH17 © Maxim Zmeyev/Reuters

Die Indizien für einen versehentlichen Abschuss der malaysischen Verkehrsmaschine durch prorussische Separatisten mehren sich. Laut Berichten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und des italienischen Corriere della Sera erhielt ein solcher Kämpfer unmittelbar nach dem Absturz den Auftrag, die Piloten festzunehmen – offenbar in der Annahme, es handle sich um feindliche Kämpfer.

Das wäre aber nur bei einem Militärflugzeug denkbar gewesen – deren Piloten können sich nach einem Abschuss unter Umständen mit einem Fallschirm retten. Wahrscheinlich ist demnach die Vermutung, dass die Separatisten erst später begriffen, dass sie mit ihrem Geschoss eine Passagiermaschine getroffen hatten. Auch ein Posting der Separatisten im Internet deutete darauf hin, allerdings bestritt Separatistenführer Alexander Borodai im CNN-Interview diese Version.

Die USA erklärten unter Berufung auf eigene Geheimdiensterkenntnisse erneut, dass Separatisten die Boeing 777-200 der Malaysia Airlines wohl versehentlich abgeschossen hätten. Die Paramilitärs feuerten demnach eine Boden-Luft-Rakete vom Typ SA 11, auch Buk genannt, ab. Wer genau für den Tod der 298 Menschen an Bord verantwortlich ist, ließe sich allerdings nicht sagen.

Die russische Regierung war nach Erkenntnissen der USA nicht direkt in den Abschuss der Maschine verwickelt. Allerdings habe Russland die Bedingungen dafür geschaffen, indem es die Aufständischen bewaffnet habe, hieß es weiter. Zudem würde Russland weiter militärische Ausrüstung an die Rebellen liefern.

Dass das ukrainische Militär für den Abschuss verantwortlich sein könnte, schließen die Amerikaner aus. "Das ist kein plausibles Szenario", sagte ein Geheimdienstvertreter laut einem Bericht der Washington Post. Demnach sollen sich keine Luftabwehr-Systeme der ukrainischen Streitkräfte in dem Gebiet befunden haben.

Von den 298 Opfern waren 193 Niederländer. Die Niederlande übernahmen inzwischen die Leitung der internationalen Untersuchung. Die Experten sollten nun so schnell wie möglich die Absturzstelle untersuchen, ein Expertenteam in London soll derweil die Daten aus der Black Box auswerten, die die Separatisten übergeben hatten. 

Trauerzeremonie auf dem Flugfeld

Unklarheit gibt es bei der Zahl der bisher gefundenen Leichen. In einem Eisenbahnzug mit Kühlwagen, der im ukrainischen Charkiw ankam, befanden sich laut einer Zählung niederländischer Experten nur die sterblichen Überreste von etwa 200 Menschen. Die prorussischen Separatisten, die die Absturzregion Donezk kontrollieren, hatten die Zahl mit 282 angegeben. Die Leichen sind mittlerweile auf dem Weg in die Niederlande, wo das international besetzte Expertenteam die Identifizierung vollenden soll. Nach der Verladung in das Transportflugzeug fand auf dem Flugfeld Charkiw eine Trauerzeremonie statt.

Die Malaysia-Airlines-Maschine war am Donnerstag im von Separatisten kontrollierten Gebiet in der Ostukraine abgestürzt. Die Regierung in Kiew und die USA werfen den Separatisten vor, das Flugzeug mit einer Boden-Luft-Rakete vom Himmel geholt zu haben.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte bei einem Treffen seines nationalen Sicherheitsrats gesagt, Russland sei bereit, die Separatisten in der Ostukraine unter Druck zu setzen, um die Aufklärung des Absturzes voranzutreiben. Bisher hatte sich die Kreml-Führung eher abwartend verhalten. Der Westen verdächtigt Russland, die Separatisten zu unterstützen. Die Separatisten streiten das ab. Vor Monaten hatte Russland die ukrainische Halbinsel Krim annektiert.