Die nigerianische Islamistengruppe Boko Haram hat laut Augenzeugen Dutzende Jungen und Männer aus einem abgelegenen Fischerdorf verschleppt. Die Extremisten hätten die Siedlung im Nordosten des Landes vor einigen Tagen angegriffen und zahlreiche Häuser niedergebrannt, berichteten mehrere Überlebende des Überfalls.

"Sie riefen 'Allahu Akbar' (Gott ist groß) und schossen immer wieder in die Luft", berichtete die Dorfbewohnerin Halima Adamu nach ihrer Flucht in die etwa 180 Kilometer entfernte Stadt Maiduguri. Die Islamisten hätten Jungen und Männer mit Waffengewalt auf Fahrzeuge gezwungen und seien mit ihnen verschwunden, berichteten auch andere Zeugen. 97 Einwohner würden nun vermisst.

"Sie haben keinen Jungen und keinen Mann dagelassen, sie ließen nur Kleinkinder, Mädchen und Frauen zurück", berichtete Adamu weiter. Die Männer und Jungen seien mit vorgehaltener Waffe gezwungen worden, in die Fahrzeuge der Terroristen einzusteigen. Sechs ältere Männer seien erschossen worden.

Boko Haram verbreitet seit Jahren Angst und Schrecken in dem afrikanischen Land. Der Name der Organisation bedeutet "Westliche Bildung ist Sünde". Die Extremisten haben seit 2009 in Nigeria Tausende Menschen in Überfällen und Bombenanschlägen getötet. Sie wollen im Nordosten des ölreichen Landes einen eigenen islamistischen Staat gründen. Zudem halten die Extremisten seit April rund 200 Schülerinnen gefangen.

Die nigerianischen Behörden wollten sich zunächst nicht zu dem Angriff äußern. Man habe den Vorfall zur Kenntnis genommen, untersuche aber noch die Details, berichtet Al Jazeera unter Berufung auf Sicherheitskreise.