Er ist François Hollandes letzter Joker: Emmanuel Macron, studierter Philosoph, fünftbester seines Jahrgangs an der Elitehochschule ENA, Ex-Banker, Millionär und bis vergangenen Juni Berater des französischen Präsidenten, ist seit Dienstagabend neuer Wirtschaftsminister. Er ersetzt Arnaud Montebourg, der mit seiner scharfen Kritik am Sparkurs der Regierung zu Wochenbeginn den Bruch derselben provozierte. Und das nicht einmal fünf Monate, nachdem das Kabinett schon einmal in einer tiefen Vertrauenskrise umgebildet worden war. Ob der sozialistische Staatschef Hollande noch einmal aus seinem Glaubwürdigkeitstief herausfindet, wird stark von Macron abhängen. Die Aufgabe scheint wie geschaffen für den gerade einmal 36-Jährigen.

"Ich mag es, den Dingen auf den Grund zu gehen und etwas zu bewegen. Und komplizierte Situationen", sagte Macron im Sommer 2012. Da hatte er seinen hochdotierten Job beim Bankhaus Rothschild gerade gegen den als Wirtschaftsberater des Präsidenten eingetauscht. Sein Salär schmolz auf ein Zehntel dessen, was er bisher verdient hatte. Was Macron nicht groß kümmern musste. Bei Rothschild hatte er kurz zuvor eine der größten Übernahmen des Jahres begleitet, den Kauf einer Filiale des US-Pharmaunternehmens Pfizer durch den Schweizer Nahrungsmittelhersteller Nestlé für neun Milliarden Euro. Für Macron sprang eine siebenstellige Provision heraus.

"Luxus ist für mich nicht so wichtig, ich habe auch keine großen Bedürfnisse. Aber meine Unabhängigkeit ist mir sehr wichtig", sagt Macron dazu unbekümmert. Dass Hollande hohe Einkommen mit einer Steuer in Höhe von 75 Prozent belegen wollte, fand er daneben: "Das ist ja wie Kuba ohne Sonne", kommentierte er. Aber Macron fügte sich, und das macht ihn nun neben seiner Erfahrung als Finanzdirektor im öffentlichen Dienst und bei Rothschild zur idealen Besetzung für den Staatschef.

Hollande forderte von Premier Manuel Valls eine Kabinettsliste ein, die mit völlig loyalen Frauen und Männern bestückt sein sollte. Aufwiegler wie Macrons Vorgänger Montebourg, der ständig die Autorität des Präsidenten infrage stellte, sollten keinen Platz mehr in der Regierung haben. Macron zählt zum rechten Flügel der Sozialisten, ist für eine Sanierung der Staatsfinanzen und ein Verfechter der freien Marktwirtschaft.

Macron ist beliebt bei Unternehmern

Unternehmer haben den jungen Mann aus dem nordfranzösischen Amiens positiv als Erfinder der unter dem Kürzel CICE bekannten Steuererleichterungen in Erinnerung. Für jeden Mitarbeiter, der nicht mehr als das 2,5-fache des Mindestlohns verdient, können Firmen seit dem vergangenen Jahr Steuergutschriften beantragen. Auch der Pakt der Verantwortung, der Frankreichs Unternehmen inklusive CICE binnen drei Jahren Abgabenentlastungen in Höhe von 41 Milliarden Euro bringen und dem Staat im Gegenzug 50 Milliarden Euro Ersparnis ermöglichen soll, geht auf seine Rechnung.

"Diese Ernennung ist ein positives Signal für die Unternehmerschaft", urteilt Guillaume Cairou, Vorsitzender des Netzwerks Club des Entrepreneurs. Macron habe wertvolle Erfahrungen in der Privatwirtschaft gesammelt und einen "Unternehmer-Spirit". "Wir halten es für interessant, dass ein Mann mit solchen Qualifikationen und solchem Talent über die Relevanz und die Effizienz von Strukturreformen wachen wird, die Hindernisse für unsere Wettbewerbsfähigkeit aus dem Weg räumen sollen."