Palästinenser feiern "ihren Sieg" in der Stadt Ramallah im Westjordanland. © Mohamad Torakman / Reuters

Nach siebenwöchigen Gefechten zwischen Israel und radikalen Palästinensern ist eine unbefristete Waffenruhe in Kraft getreten. Beide Konfliktparteien einigten sich unter Vermittlung Ägyptens auf ein Abkommen, das unter anderem eine teilweise Aufhebung der Blockade des Küstengebiets vorsieht.

Das ägyptische Außenministerium und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprachen von einer "umfassenden" Waffenruhe, in israelischen Regierungskreisen wurde der "unbefristete" Charakter der Kampfpause betont. Abbas sagte in einer Fernsehansprache, mit der Feuerpause solle "die Aggression gegen den Gazastreifen und das Blutvergießen und Töten der Kinder" gestoppt werden. Aus Ägypten hieß es, die Grenzübergänge von Israel zum Gazastreifen sollten umgehend geöffnet werden, um humanitäre Hilfe durchzulassen.

Auch die israelische Regierung bestätigte, sie werde die Blockade des Gazastreifens lockern, um die Lieferung von Lebensmitteln und Baumaterial zuzulassen. Bisher war die Einfuhr bestimmter Güter stark eingeschränkt. Auch medizinisches Personal solle in das Küstengebiet gebracht werden.

Binnen eines Monats würden in Kairo zudem indirekte Gespräche beginnen. Dazu werden voraussichtlich die Forderung der Hamas nach einem dauerhaften Ende der Blockade des Gazastreifens und Israels Forderung nach einer Entwaffnung der Palästinenserorganisation gehören. Ein Mitglied der palästinensischen Verhandlungsdelegation sagte, die Fangzone im Mittelmeer für palästinensische Fischer werde stufenweise auf zwölf Meilen ausgeweitet. Von israelischer Seite gab es dafür zunächst keine Bestätigung.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte die Hoffnung, dass damit der Weg zu einer politischen Konfliktlösung offenstehe. Er warnte jedoch, dass "der geringste Verstoß gegen die Waffenruhe völlig unverantwortlich" wäre. Israelis und Palästinenser hätten nun die "Pflicht", eine dauerhafte Lösung ihres Konflikts zu erzielen. US-Außenminister John Kerry appellierte an beide Parteien, den Frieden zu wahren. "Uns allen ist klar, dass dies eine Gelegenheit ist, keine Gewissheit." Die US-Regierung stehe für die dringend benötigten Hilfslieferungen an die Menschen im Gazastreifen bereit.

Hamas spricht von militärischer Aufrüstung

In Gaza feierten Tausende Menschen die Einigung auf den Straßen. Freudenschüsse wurden abgegeben und von den Minaretten der Moscheen schallten Lobgesänge. Ranghohe Vertreter der Hamas sowie der Gruppierung Islamischer Dschihad traten erstmals seit Konfliktbeginn gemeinsam auf. Sie hielten vor Tausenden Anhängern Siegesreden, in denen der Bau eines eigenen Hafens und eines Flughafens für den schmalen Küstenstreifen angekündigt wurden. Auch von einer militärischen Aufrüstung war die Rede.

In Ramallah im Westjordanland wurde ein Treffen der Spitzengremien von Palästinensischer Befreiungsorganisation (PLO) und der Fatah-Partei von Abbas anberaumt. Die Palästinenser streben nach PLO-Angaben ein vom UN-Sicherheitsrat durchzusetzendes und fest terminiertes Ende der israelischen Besatzung an.

Tote bei Gefechten kurz vor Beginn der Feuerpause

Vor Beginn der Waffenruhe genau 50 Tage nach dem Ausbruch des jüngsten Gaza-Kriegs hatten die Konfliktparteien ihren gegenseitigen Beschuss noch einmal intensiviert. Bei israelischen Luftangriffen starben in Rafah im Süden Gazas drei Menschen. Militante Palästinenser schossen mehrere Raketen auf Israel ab, dabei kam nach Angaben des israelischen Militärs ein Zivilist ums Leben.

Israel hatte in den vergangenen Tagen seine Luftangriffe intensiviert und verstärkt auch mehrstöckige Hochhäuser zerstört, in denen Büros, Apartments, Shops und sogar ein Ministerium untergebracht waren. In einem der am Dienstag zerstörten Gebäude waren unter anderem die Büros des palästinensischen Ministeriums für Wohnungsbau untergebracht, dazu Wohnungen und ein Einkaufszentrum, wie das israelische Militär mitteilte.

Waffenruhen hielten bisher nicht lange

Frühere Waffenruhen scheiterten bereits nach Tagen. Erschwert werden die Verhandlungen, weil sich sowohl Israel als auch die Palästinenser weigern, direkt miteinander zu sprechen. Seit Beginn der israelischen Offensive am 8. Juli starben nach palästinensischen Angaben 2.125 Menschen, davon mehr als 490 Kinder. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und vier Zivilisten getötet.

Mehr als 11.000 Menschen wurden bei den Angriffen verletzt, wie die Vereinten Nationen und palästinensische Gesundheitsbehörden mitteilten. Die UN schätzen, dass mehr als 17.000 Wohnhäuser zerstört und rund 100.000 Menschen obdachlos wurden.