Zerstörung im Gazastreifen © Dan Kitwood/Getty Images

Es ist eine mörderische Ausgangslage: Das Geschehen in Gaza bleibt dramatisch, unbeschadet der aktuellen Feuerpause. Nichts wird Israel und die Hamas dazu bringen, aufeinander zuzugehen, im Gegenteil: Die Dynamik dieses tragischen Prozesses spielt den jeweils extremen Kräften beider Lager in die Hände. Jederzeit kann der Konflikt auf das Westjordanland und die Grenze zum Libanon überspringen.

Gaza selbst ist in einer hoffnungslosen Lage. Der Streifen ist seit mehr als einem halben Jahrhundert weitgehend isoliert. Es sind letztlich die Vereinten Nationen, die Gaza seither über die UNRWA und andere Hilfsorganisationen am Leben erhalten. Verlässliche Machtstrukturen und Beziehungsnetze haben dort kaum jemals eine entscheidende oder gar stabilisierende Rolle spielen können. Die Hamas, ein Seitenzweig der Muslimbrüder, hat mittlerweile – mit der kaum spürbaren Ausnahme der Türkei und Katars –  ihre Sponsoren verloren. Das gilt besonders für Ägypten nach Mursi. Es wäre auch irreführend, die Palästinenser im Westjordanland mit denen im Gazastreifen gleichzusetzen. Das sollten spätestens die Wahlen 2006 gelehrt haben.

Ansonsten überlebt Gaza von Israels Gnaden. Das gilt für die Transportwege am Boden, über die See und in der Luft. Es gilt für die Wasser- und Energieversorgung, für die Telekommunikation und anderes mehr. Für Israel andererseits ist entscheidend: Gaza ist nicht das Westjordanland. Es gibt dort seit 2005 keine israelischen Siedlungen mehr. Es gibt nicht die affektive Bindung, wie sie für "Judäa und Samaria" gilt. Es gibt keine Unklarheit über die Grenzen. Mit anderen Worten: Es gibt auf israelischer Seite nur das Interesse daran, in Ruhe gelassen zu werden und friedlich leben zu können. Dieses Interesse ist völlig legitim und in keiner Weise zu relativieren.

Die Hamas will dieses elementare Interesse Israels nicht honorieren. Sie benötigt die unfriedliche Kontroverse zur eigenen Legitimation. Zudem ist sie in der Falle ihrer eigenen Ideologie gefangen, die traditionell und bis heute von einer Zerstörung des Staates Israel ausgeht.

Vor diesem Hintergrund kann aber auch Israel wichtige Interessen der Menschen in Gaza nicht honorieren, wenn man von der eng humanitären Dimension absieht. Dazwischen steht die Hamas oder würden, nach deren angestrebter Entmachtung, andere, möglicherweise noch radikalere Kräfte stehen.

Eine Zukunftsperspektive für Gaza

Eine Zukunftsperspektive für Gaza ist rasch beschrieben. Gaza, ein failed non-state, braucht schlichtweg alles:

Rechts- und Verwaltungssicherheit, eine verlässliche Gerichtsbarkeit, grundlegende Infrastrukturen, Gesundheits- und Bildungssystem sowie einen Kapitalstock, der auf lange Zeit nur über internationale Finanzhilfen und -transfers aufzubauen ist. Zudem müsste der Gazastreifen nach den Regeln einer weitgehend zoll- und steuerfreien Sonderwirtschaftszone mit eigener Rechtspersönlichkeit gestaltet werden, um überhaupt die Chance auf wettbewerbsfähige Investitionen bieten zu können (die dann auch politisch stabilisierend wirken könnten). Schließlich würden sukzessiv die Grundlagen für ein funktionierendes Finanzsystem geschaffen werden müssen.

All das würde nicht einfach zu entwickeln sein. Andererseits: von Bevölkerungszahl und Territorium her ist Gaza  nicht größer als Hamburg. Unter Anlegung vernünftiger Maßstäbe würde das also eine lösbare Aufgabe sein.