Russland hat Deutschland aufgefordert, die Hilfslieferungen in die umkämpfte Ostukraine zu unterstützen. Außenminister Sergej Lawrow forderte seinen deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier (SPD) telefonisch auf, alles für eine erfolgreiche Umsetzung der Hilfsaktion zu tun.

Lawrow sagte nach Angaben seines Ministeriums, Russland habe den Konvoi in Übereinstimmung mit der ukrainischen Führung und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz ins Krisengebiet geschickt. Insgesamt habe Russland 2.000 Tonnen Hilfsmittel entsandt, darunter Medikamente, Lebensmittel und Stromgeneratoren. Die Ukraine besteht darauf, dass die Güter nur unter internationaler Kontrolle ins Land gelangen. Die Medikamente und Lebensmittel müssten an der Grenze auf Lastwagen des Roten Kreuzes umgeladen werden, forderte der Vizechef der ukrainischen Präsidialverwaltung, Waleri Tschaly. 

"Wir werden keinen russischen Konvoi auf ukrainisches Staatsgebiet lassen", sagte Tschaly. "Jedes unsanktionierte Betreten des Territoriums der Ukraine ist ein Akt der Aggression", warnte er. Andrej Lyssenko vom nationalen Sicherheitsrat in Kiew warf der russischen Regierung vor, mit dem Konvoi schweres Kriegsgerät in die Ukraine schmuggeln zu wollen. Russlands Außenministerium teilte indessen mit, es sei mit der Ukraine abgesprochen, dass die Güter an der Grenze dem Roten Kreuz übergeben würden.

Russland erwarte "die volle Kooperation der ukrainischen Seite", um einen sicheren Transport der Hilfsgüter zu gewährleisten, hieß es weiter. Russland habe alle Auflagen der ukrainischen Seite erfüllt, daher seien die öffentlichen Äußerungen der Führung in Kiew unverständlich, teilte das russische Außenministerium mit.

Merkel will Gespräche mit Putin fortsetzen

Unterdessen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel sich für weitere Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Lösung der Krise in der Ukraine ausgesprochen. "Ich bemühe mich sehr darum, den Gesprächsfaden mit dem russischen Präsidenten trotz der Sanktionen nicht abreißen zu lassen." Zugleich ließ sie Zweifel an Putins Gesprächsbereitschaft erkennen: "Aber zum konstruktiven Miteinander gehört eben immer mehr als einer." Die Ukraine müsse über ihre Verfassung, die Ausrichtung ihrer Politik, ihre Eigenständigkeit, die den Regionen wie etwa der Ostukraine zugestanden werde "frei und demokratisch selbst entscheiden können". Dies sollte auch Russland akzeptieren, sagte Merkel.

Der polnischen Regierung zufolge lasse die Gefahr einer russischen Militäraktion im Osten der Ukraine nach. Außenminister Radoslaw Sikorski begrüßte die Ankündigung der Regierung in Moskau, den Konvoi unter die Leitung des Internationalen Roten Kreuzes zu stellen. Noch vor wenigen Tagen habe es so ausgesehen, als ob Russland den Konvoi als Vorwand dafür nutzen könnte, um mit bewaffneten Soldaten in die Ukraine vorzudringen. Nun müsse die polnische Regierung anerkennen, dass Russland sich um einen Dialog mit der ukrainischen Regierung und dem Roten Kreuz bemühe, sagte Sikorski. Polen hat in der Ukraine-Krise stets auf einen härteren Kurs im Umgang mit Russland gedrungen.

Das ukrainische Parlament hat derweil in erster Lesung zugestimmt, russische Unternehmen zu sanktionieren. Unklar war zunächst, ob Strafmaßnahmen die Energieunternehmen Gazprom und Transneft betreffen. Dies könnte einen Stopp russischer Öl- und Gaslieferungen nach Westeuropa zur Folge haben. Die Europäische Union hatte das wichtige Transitland vor einem solchen Schritt gewarnt.