Die Terrorgruppe des "Islamischen Staats" hat ihre Herrschaft im Norden des Irak ausgedehnt und eine neue Flüchtlingswelle ausgelöst. Die IS-Kämpfer nahmen die nordirakische Stadt Sindschar und mehrere Dörfer sowie die Stadt Samar ein. Sie konnten zudem zwei weitere Ölfelder unter ihre Kontrolle bringen, wie die irakische North Oil Company mitteilte. Die beiden Felder liegen in der Nähe einer wichtigen Ölpipeline zwischen dem Irak und der Türkei. Augenzeugen und Vertreter der kurdischen Verwaltung berichten, dass die Terrorgruppe auch den Mossul-Staudamm, den größten Staudamm des Landes, unter ihre Kontrolle gebracht habe.

Die kurdischen Peschmerga-Truppen hätten sich aus den Städten an der Grenze zurückgezogen, sagte ein Vertreter der Patriotischen Union Kurdistans, Cheiri Sindschari. Die IS-Kämpfer hätten ihre Flagge über den Behördengebäuden gehisst.

Hunderte Familien der kurdischen religiösen Minderheit der Jesiden flohen aus ihren Häusern, nachdem die Extremisten ihre Heimatorte eingenommen hatten. In den betroffenen Gebieten nördlich und westlich der Großstadt Mossul brachen Panik und Chaos aus. "Die Bewaffneten bringen uns alle ohne Gnade um", sagte ein Bewohner. Die Extremisten hätten etliche Menschen festgenommen. Die Flüchtlinge suchten in den benachbarten kurdischen Autonomiegebieten und im Sindschar-Gebirge Schutz.  

Die Terrorgruppe betrachtet die Jesiden als "Ungläubige". Irakische Medien meldeten, die sunnitischen Extremisten hätten jesidische und schiitische Schreine gesprengt und zehn schiitische Kurden hingerichtet.

Kurdische Kämpfer wollen Sindschar wieder befreien

Die kurdischen Peschmerga-Kämpfer schickten Verstärkungen in das Gebiet, um Sindschar wieder zu befreien. Die Nachrichtenseite Shafaaq-News berichtete von neuen heftigen Kämpfen.

Die Terrorgruppe hatte Anfang Juni das rund 400 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Mossul eingenommen. Sie beherrscht mittlerweile weite Gebiete im Norden und Westen des Landes und geht dort mit rücksichtsloser Gewalt gegen Andersgläubige vor. Fast sämtliche Christen sind wegen der Verfolgung aus Mossul geflohen.

Ende der Woche war die Terrorgruppe auch im benachbarten Syrien näher an die mehrheitlich von Kurden bewohnten Gebiete herangerückt. Dort hatten die Extremisten einen Militärstützpunkt in der Nähe der Stadt Hasaka eingenommen. In Syrien flohen nach heftigen Angriffen der Armee mit Artillerie und Raketen rund 5.000 Menschen aus mehreren Dörfern in der Nähe der ostsyrischen Stadt Dair as-Saur.