Der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki hat einen Einsatz der Luftwaffe im Nordirak angeordnet. Die Angriffe sollen die kurdischen Peschmerga-Kämpfer gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) unterstützen, sagte ein Armeesprecher. Damit reagiert die Regierung in Bagdad auf den weiteren Vormarsch des IS. Zugleich forderte Maliki die USA zu Waffenlieferungen an die Kurden auf.

Bereits am vergangenen Wochenende hatten Regierungseinheiten die Terrorgruppe aus der Luft attackiert. Dabei gerieten auch kurdische Einheiten unter Beschuss, die ebenfalls die Dschihadisten bekämpfen. 13 Peschmerga-Kämpfer wurden getötet. 

Der nun angekündigte Angriff der irakischen Luftwaffe hat nun zum ersten Mal zum Ziel, die kurdischen Kämpfer bei ihrer Offensive zu unterstützen. Zwischen Maliki und den halbautonomen Kurdengebieten war es wiederholt zu Spannungen gekommen. Beide Seiten stritten über Finanzen, Öl- und Landfragen. Kritiker werfen Maliki einen autoritären Stil und eine zu schwache Zusammenarbeit mit anderen Religionsgruppen als den Schiiten vor. 

Die irakische Luftwaffe hatte seit der Niederlage gegen die USA im Jahr 2003 lange Zeit keine Kampfflugzeuge mehr. Ende Juni dann hatte sie fünf gebrauchte Flugzeuge vom Typ Suchoi Su-25 aus Russland und Weißrussland erhalten. Sie sollten bald einsatzbereit sein, hieß es damals. Zudem wartet die irakische Regierung auf eine bereits zugesagte Lieferung von F-16-Kampfflugzeugen und Apache-Kampfhubschraubern aus den USA.

Die Kurden bereiten bereits eine Großoffensive gegen die Dschihadisten vor. Eine große Zahl an Kämpfern werde zusammengezogen, um zurückzuschlagen, sagte ein Kurden-Sprecher. Die Lage sei sehr gefährlich für die Region, deshalb müsse bald etwas getan werden.

Zehntausende Jesiden auf der Flucht

Aus den am Wochenende von Dschihadisten eroberten Gebieten fliehen zahlreiche Menschen. Laut einem örtlichen Sprecher der religiösen Minderheit der Jesiden seien etwa 40.000 Glaubensbrüder auf der Flucht. "Tausende Jesiden sind getötet worden."

Menschenrechtsaktivisten zufolge sind Tausende der Flüchtlinge dringend auf Hilfe angewiesen, zumal einige in unwirtlichen Gebirgsregionen festsäßen. "Sie sind ohne Essen und Wasser, einige sind schon gestorben", sagte der Jesiden-Sprecher.

Jesiden bilden eine religiöse monotheistische Minderheit, die vor allem bei Kurden im Nordirak verbreitet ist. Die Islamisten hatten ihnen ein Ultimatum gestellt, entweder zum Islam überzutreten oder getötet zu werden, sagte der Jesiden-Sprecher. Laut Augenzeugen hätten Dschihadisten allein in Sindschar Dutzende Jesiden getötet. Die kurdische Nachrichtenagentur Bas News berichtete, 88 junge Männer seien hingerichtet worden.

Die Islamisten hatten am Wochenende die nordirakischen Städte Sindschar und Sumar erobert. Kurdische Kämpfer lieferten sich heftige Kämpfe mit ihnen. Nach Angaben eines Arztes aus Dahuk wurden mindestens 25 Kurden getötet und 120 weitere verletzt.

Große Gebiete unter IS-Kontrolle

Kämpfer des Islamischen Staats hatten Anfang Juni mehrere Städte im Norden des Iraks überrannt. Inzwischen haben sie weite Landstriche sowohl im Irak als auch in Syrien unter ihrer Kontrolle und ihr Herrschaftsgebiet selbst zum Kalifat ausgerufen.

In den von ihnen eroberten Gebieten errichteten die sunnitischen Islamisten ein Terror-Regime. Sie verfolgen Anhänger anderer Religionen, Christen, Jesiden und auch Anhänger anderer islamischer Glaubensrichtungen, etwa Schiiten.

Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden seit Juni mehr als eine halbe Million Menschen vertrieben. Allein der Dschihadisten-Vormarsch vom Wochenende habe neben den Jesiden zahlreiche weitere Menschen in die Flucht getrieben. Nach UN-Angaben seien insgesamt bis zu 200.000 Einwohner aus Sindschar geflohen.