Die New York Times hat Erkenntnisse über die innere Organisationsstruktur des Islamischen Staates (IS) gewonnen, über die bislang wenig bekannt ist. Die Zeitung beruft sich in dem Bericht auf eine irakische Quelle, die über Einsicht in Akten des irakischen Militärs und amerikanischer Geheimdienste verfügt. 

Demnach hat der IS ein effektives Managementsystem. An der Spitze stünden Iraker mittleren Alters, die die zentralen Ressorts Finanzen, Waffen, lokale Regierung, Militäroperationen und Anwerbung neuer Kämpfer leiteten. Die meisten von ihnen seien von Abu Bakr al-Baghdadi selbst ausgesucht worden; viele davon habe al-Baghdadi vor rund zehn Jahren im amerikanischen Militärgefängnis Bucca kennengelernt.     


Insgesamt verfüge al-Baghdadi über 25 Abgeordnete im Irak und in Syrien. Darunter seien zwölf lokale Gouverneure, die Walis genannt werden, drei Mitglieder des Kriegskabinetts und acht andere, die – vergleichbar mit Ministern – Ressorts verwalten. Die Walis hätten ihren eigenen Mitarbeiterstab und eine "gewisse Autonomie". Aber es gebe festgesetzte Zeiten, zu denen sie online in einem gemeinsamen Netzwerk kommunizierten, um sich abzustimmen. 

Als Beispiel für diese rasche Koordinierung könne das Video des getöteten amerikanischen Journalisten James Foley gelten, das der IS in der vergangenen Woche veröffentlichte. Die Veröffentlichung war eine Reaktion auf Luftschläge der US-Armee, die sich jedoch 300 Kilometer entfernt ereignet hatten.          


Al-Baghdadi hat dem Bericht zufolge eine Vorliebe für Militärs. Ein Drittel der 25 Führungskräfte habe unter Saddam Hussein als Offiziere gedient. Darunter sei etwa Fadel al-Hayali, der jetzt der höchste IS-Funktionär im Irak ist und unter Hussein Oberstleutnant war. Auch Adnan al-Sweidawi, der Chef des IS-Militärrates, war ein hoher Militär unter Hussein – ebenso wie seine zwei Vorgänger in diesem Amt.  

Die Kämpfer wurden erst nach 2003 religiös

Der Erfolg des IS liege in seiner hybriden Gestalt: Die IS-Kommandeure verfügten zugleich über traditionelle militärische Fähigkeiten als auch über Erfahrung im Terrorkampf, die sie im Kampf gegen die Amerikaner erworben hätten. Dazu kämen gute Ortskenntnis und gute Kontakte.         

Der Gouverneur der irakischen Provinz Anbar, Ahmed al-Dulaimi, sagte, viele der Männer im Führungsstab hätten die irakische Militärakademie besucht. Sie seien erst nach 2003 religiös geworden.     

Al-Baghdadi scheint sich militärisch vor allem auf Iraker zu verlassen. Das beschreibt Hassan Abu Hanieh, ein jordanischer Islamismus-Forscher. Felder wie Religion, Anwerbung und Pressearbeit überlässt er dagegen Ausländern. Oft kämen die aus Saudi-Arabien, wie der derzeitige Pressesprecher. Dies habe strategische Gründe, so Hanieh: "Damit wollen sie internationale Dschihadisten anziehen, damit sie kommen und mitkämpfen."