Die israelische Armee hat ihre Angriffe fortgesetzt. In der seit Tagen umkämpften Region um die Stadt Rafah seien am Morgen zehn Menschen getötet worden, weitere 35 wurden verletzt, hieß es palästinensischen Angaben zufolge. Zahlreiche Menschen hatten sich in einer Schule aufgehalten, die von den Vereinten Nationen betrieben wird. Auch ein UN-Mitarbeiter soll laut einem Sprecher der Vereinten Nationen getötet worden sein. Zuvor seien in der Stadt mindestens 30 Menschen während eines Luftangriffes getötet worden, teilte ein Krankenhaussprecher mit.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Angriff ein Verbrechen und einen Skandal in moralischer Hinsicht genannt. Der Beschuss sei ein erneuter Verstoß gegen das humanitäre Recht. Die UN hätte die israelische Armee genau informiert, wo sich die Zufluchtsorte der Uno befinden. Er forderte Israel und die Hamas auf, die Gewalt zu beenden und in Kairo über ein Friedensabkommen zu verhandeln. Der Wahnsinn müsse aufhören, sagte Ban.

Die USA äußerten sich "bestürzt" über den Angriff. Die Regierung in Washington rief Israel auf, "mehr" zu tun, um zivile Opfer zu vermeiden, wie eine Sprecherin des Außenministeriums erklärte.

Armee bestätigt Beschuss von Schule

Die israelische Armee hat bestätigt, auf ein Ziel nahe einer UN-Schule im Gazastreifen geschossen zu haben. Im Visier seien drei "Terroristen" der radikalen Palästinensergruppe Islamischer Dschihad gewesen, die auf einem Motorrad nahe der Schule unterwegs gewesen seien, erklärte die Armee. Derzeit würden die Folgen des Angriffs untersucht.


Augenzeugen sagten, die Jungenschule in Rafah sei getroffen worden, als Menschen für Lebensmittel anstanden. In der Schule der Vereinten Nationen hätten etwa 3.000 Bürger Zuflucht gesucht, die von dem seit 27 Tagen andauernden Krieg zwischen Hamas und Israel aus ihren Häusern vertrieben worden seien. Die israelischen Streitkräfte äußerten sich zunächst nicht zu dem Zwischenfall.

Der Direktor der UN-Behörde für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), Robert Turner, sagte, es handele sich vermutlich um einen israelischen Luftangriff. "Wir haben noch keine bestätigten Einzelheiten, aber einem ersten Bericht zufolge gab es eine Art Luftangriff in einer Straße nahe einem unserer Häuser", sagte Turner.

In der vergangenen Woche wurden mehrfach Gebäude beschossen, die vom UNRWA genutzt worden waren. In Schulen in Hanun und Dschabalija waren während zweier Angriffe 30 Palästinenser getötet worden. UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay warf den israelischen Streitkräften vor, internationales Recht vorsätzlich zu missachten.

Israel meldet baldige Zerstörung aller Tunnel

Israel griff mehrere weitere Ziele im Gazastreifen an. Geschosse schlugen in zwei hohe Bürohäuser im Zentrum von Gaza-Stadt ein, wie die Polizei und Augenzeugen berichteten. Insgesamt führte Israel
nach eigenen Angaben am Sonntag 180 Angriffe aus.

Zudem gruppiert Israel seine Truppen im Gazastreifen um. "Wir ziehen Truppenteile zurück, andere verändern ihre Position innerhalb des Gebiets, diese Operationen dauern derzeit an", sagte Armeesprecher Peter Lerner. Innerhalb von 24 Stunden sollen die Einheiten neu positioniert werden. "Dann wird es eine andere Art von Bodenoperation sein, aber wir werden dort weiter im Einsatz sein." Die Militäroperation sei damit nicht beendet, hieß es aus Militärkreisen.

Die Tunnel der Hamas sind nach Angaben aus Israel weitgehend zerstört. Der israelische Premier Benjamin Netanjahu sagte, die Armee sei dabei, "die Zerstörung der Tunnel zu vollenden". Damit sei eines der Ziele des Landes im Gaza-Krieg bald erreicht. "Die Armee wird so lange im Einsatz sein, bis sie ihre Arbeit getan hat", sagte Netanjahu.

Vermisster israelischer Soldat ist tot

Netanjahu warnte Hamas zudem davor, weitere Raketen auf Israel zu schießen. "Wir akzeptieren keine Fortsetzung des Beschusses. Hamas muss das verstehen, egal wie lange es dauert, dass sie einen aus ihrer Sicht unerträglich hohen Preis für eine Fortsetzung des Beschusses zahlen", sagte Netanjahu.

Am Sonntagmorgen bestätigte das israelische Militär, dass der seit Freitag vermisste Soldat Hadar Goldin tot ist. Er sei wie zwei weitere Soldaten während eines Selbstmordanschlags nahe Rafah getötet worden. Goldin soll am Nachmittag auf dem Militärfriedhof in Kfar Saba nahe Tel Aviv beigesetzt werden. Er wurde posthum zum Leutnant befördert.

Seit der Gaza-Krieg am 8. Juli begann, sind nach palästinensischen Angaben etwa 1.800 Palästinenser getötet und mehr als 9.000 verletzt worden. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und drei Zivilisten getötet. Mehrere Hundert Soldaten wurden verwundet. Viele Raketen der Hamas wurden von der israelischen Raketenabwehr abgefangen.