Der 26. Tag des Krieges gegen die Hamas begann in Tel Aviv am Samstag früh morgens mit einem heftigen Raketenbeschuss. Die Sirene war lang gezogen wie nie. Irgendjemand hat vorgeschlagen, die großen Ferien in diesem Jahr bis in den September hinein zu verlängern. So sollen die Kinder die Chance bekommen, überhaupt noch ein bisschen die Pause von der Schule genießen zu können. Denn noch immer sieht es nicht nach einem schnellen Ende der Kämpfe aus.  

Von allen bisherigen militärischen Konfrontationen mit der Hamas ist diese die längste. 2008/2009 dauerte die Auseinandersetzung drei Wochen, 2012 zwölf Tage. Jetzt aber prägt die Gewalt den Alltag schon seit beinahe einem Monat. Das schwächt jedoch nicht den Willen der Israelis, gegen die Waffenlager und "Terror-Tunnel" der Hamas vorzugehen. Im Gegenteil: Die Entführung eines ihrer Soldaten bestätigt sie nun in diesem Tun. Der 23-jährige Hadar Goldin hatte an einer Mission teilgenommen, bei der einer der vielen unterirdischen Gänge zerstört werden sollte, die die Hamas zu genau diesem Zweck bis tief ins israelische Territorium hinein gegraben hatte. 

Auch in Tel Aviv laufen im Fernsehen – jedoch sicherlich weniger als draußen in der Welt – die Bilder von der massiven Zerstörung in Gaza, von schreienden Kindern und Frauen, von den vielen Toten auf der anderen Seite. Die Israelis sind sich auch bewusst, dass die Wut der eigenen, oft noch jungen Soldaten, zunimmt, je mehr ihrer Kampfgefährten sterben müssen. Sie wissen, dass sie militärisch die weitaus Stärkeren sind. Aber niemand unterschätzt hier den Zynismus der Hamas.  

Skepsis gegenüber ausländischer Berichterstattung ist groß

Viele tun sich deshalb schwer mit der Berichterstattung ausländischer Medien, die lange gebraucht haben, um – wenn überhaupt – zu realisieren, dass die Hamas tatsächlich Raketen unter Wohnhäusern, Krankenhäusern, Moscheen versteckt hat und Bilder von eigenen Opfern gezielt im Imagekampf gegen Israel einsetzt. 

Die israelische Armee besteht hauptsächlich aus Wehrpflichtigen und Reservisten. Letztere werden aus dem Beruf gerissen und lassen die eigene Familie zurück, um einem Einsatzbefehl zu folgen. Sie alle lassen sich auf Dauer nur motivieren, wenn sie hinter ihrer Mission stehen.  

Die Mehrheit steht hinter Israels Vorgehen

Das erklärte israelische Kriegsziel ist weiterhin, so viele Waffen und Tunnel zu zerschlagen, dass der nächste Schlagabtausch mit der Hamas in die Ferne rückt und nicht schon wieder, wie diesmal, nach nur neunzehn Monaten mit einem noch mächtigeren Arsenal stattfindet.

Damit kann sich die Mehrheit der Israelis auch – oder gerade – nach fast einem Monat blutiger Konfrontation weiterhin identifizieren. Mit der wachsender Zahl von Opfern auf der eigenen Seite mehren sich aber auch Stimmen, die davor warnen, der Logik der Hamas zu folgen, ohne selbst noch Herr der Entscheidungen zu sein. Das mag zu der Kabinettsentscheidung geführt haben, laut der Israel nicht mehr einen gemeinsam vereinbarten Waffenstillstand anstrebe, sondern sich "aus eigener Entscheidung heraus dann zurückziehe, wenn man es für richtig hält".