Israel will sich derzeit nicht an Verhandlungen über ein Ende des Gaza-Krieges beteiligen. Dies sagte ein israelischer Regierungssprecher. Als einen Grund nannte er, dass die islamistische Hamas selbst nicht an einer Beilegung ihrer Kämpfe mit Israel interessiert sei und die internationalen Vermittler mit anders lautenden Informationen nur täusche.

Ursprünglich hatte Israel seine Teilnahme an den Verhandlungen am heutigen Samstag im ägyptischen Kairo zugesagt. Dies war jedoch ehe Israel am Freitag einen Soldaten als entführt gemeldet hatte. Die von Ägypten vermittelte dreitägige Waffenruhe war damit wenige Stunden nach Inkrafttreten gescheitert. Der ägyptische Regierungschef Abdel Fattah al-Sissi sagte, er gebe die Verhandlungen dennoch nicht verloren. Er beklagte allerdings die verlorene Zeit und dass dies die Situation verkompliziere.

Zu den Verhandlungen in Kairo wird unterdessen eine Delegation der Palästinenser erwartet. Diese umfasse Mitglieder der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Hamas und des Islamischen Dschihad. Vorsitzender der PLO ist der palästinensische Präsident Mahmud Abbas.

Der britische Vize-Premierminister Nick Clegg forderte die israelische Regierung zu direkten Gesprächen mit der radikalislamischen Hamas auf. Nur so könne der Konflikt gelöst werden, sagte er dem Guardian. Er wich damit von der bisherigen offiziellen britischen Regierungslinie ab.

300 tote Kinder im Gazastreifen

Bei ihrer Suche nach dem vermissten Soldaten, einem 23 Jahre alten Leutnant, drang die israelische Armee immer weiter in den Süden des Gazastreifens vor. Sie wurde dabei unterstützt von Panzern und der Luftwaffe. Das israelische Militär teilte mit, es habe in den vergangenen 24 Stunden 200 Ziele getroffen. Auch fünf Moscheen wurden angegriffen, da dort Waffenlager vermutet wurden. Die Islamische Universität wurde beschossen, weil dort Waffen für die Hamas gebaut worden seien, hieß es.

Ob der vermisste israelische Soldat noch am Leben ist, ist unklar. Die Kassam-Brigaden, der bewaffnete Arm der Hamas, sagten, sie hätten den Kontakt zu eigenen Kämpfern verloren, die in der Nähe des vermeintlichen Entführungsortes aktiv waren. Die Brigaden gehen davon aus, dass alle Kämpfer vor Ort gestorben seien. Sollten die Kämpfer im Süden des Gazastreifens den Soldaten tatsächlich entführt haben, müsse er ebenfalls ums Leben gekommen sein.

Die israelische Armee meldete derweil, dass sie ihren militärischen Zielen näher komme. Die Zerstörung der Tunnel stünde kurz vor dem Abschluss, sagte Oberstleutnant Peter Lerner. Die Hamas nutzt ein weitverzweigtes Tunnelsystem als Waffenlager und für Vorstöße in das israelische Kernland. Die Zerstörung des Tunnelsystems war ein erklärtes Ziel der israelischen Offensive.

Zugleich gab die israelische Armee bekannt, dass die Bewohner der Stadt Beit Lahija im Norden des Gazastreifens wieder in ihre Wohnungen zurückkehren können.

Seit Beginn der israelischen Militäroffensive wurden über 1.650 Palästinenser getötet, darunter viele Zivilisten. Die UNO sprach am Samstag in Jerusalem von fast 300 getöteten Kindern und Jugendlichen im Gazastreifen. Mehr als 200 Todesopfer seien jünger als 12 Jahre alt gewesen. Auf Seiten Israels kamen 63 Soldaten ums Leben. Drei Zivilisten starben durch Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen.