Das letzte Mal, dass ich James Foley gesehen habe, war im Sommer 2012 vor dem Al-Shifa-Krankenhaus in Aleppo. "What's up, dude?", wird er gefragt haben. Wir haben uns kurz ausgetauscht und dann ist jeder mit seinen Kollegen wieder den eigenen Geschichten nachgegangen.

Der Krieg in Syrien war gerade vom Umland in die Stadt eingefallen. Foley war schon seit Wochen immer wieder über die Grenze nach Syrien gereist, um von dort für AFP und GlobalPost zu berichten. Er war einer der ersten Journalisten, die nach dem Ausbruch des Aufstandes in Aleppo waren.

Foley hat die folgenden Wochen weiter in Syrien gearbeitet, bis er am 22. November 2012 in Idlib entführt wurde. Bis heute ist nicht klar, welche Gruppe dafür verantwortlich war. Lange gab es keinerlei Lebenszeichen von ihm. Erst vergangenes Jahr kam leise Hoffnung auf, dass er noch leben könnte. Seine Familie war sich sicher, dass er in die Hände der syrischen Regierung geraten ist. Es gab Quellen, die das unabhängig bestätigten. Ich habe mit Freunden damals auf die vermeintlich gute Nachricht angestoßen. Doch die Hoffnung auf seine Freilassung schwand, wie sie gekommen war. Am Dienstag nahm sie dann ihr grausiges Ende.

Medien als verlängerter Propagandaarm

Ein Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit britischem Akzent hat Foley höchstwahrscheinlich vor laufender Kamera exekutiert. Es sei die Antwort auf die amerikanischen Luftschläge gegen IS. Foley wird inszeniert als erstes amerikanisches Opfer im vor Kurzem begonnenen Kampf gegen IS. In dem Video ist noch ein anderer US-Journalist zu sehen, dessen Exekution angedroht wird, sollten die Amerikaner sich weiter militärisch an der Offensive gegen IS beteiligen.

Ich habe dieses Video nicht angesehen. Die Standbilder, die mir auf Facebook und Twitter entgegengeworfen wurden, sind schlimm genug. Wie es für seine Familie gewesen sein muss, vom Tod des Sohnes, des Bruders durch ein Bild im Internet zu erfahren, auf dem er in orangenem Umhang vor seinem Mörder kniet, will ich mir nicht, kann ich mir nicht vorstellen.

Kaum eine Minute nachdem IS das Video veröffentlichte, verbreitete sich die Nachricht mitsamt grausigster Bilder rasend schnell auf Twitter. Es ist ein Propagandaerfolg für die Terroristen, mit dem sie sich in Dutzenden Tweets brüsten. Ein Erfolg, wie die Medien ihn zuvor schon unzählige Male beschert haben, immer dann, wenn sie Bilder einer Erschießung, abgetrennter Köpfe gezeigt haben. Die Horrorbilder sind Strategie. Sie verbreiten Terror in den sozialen Medien, die kaum zu kontrollieren sind, und werden oft genug von traditionellen Medien aufgegriffen. Getrieben von der Rasanz der sozialen Medien, machen wir Journalisten uns damit zu einem verlängerten Propagandaarm von IS.

Von Terroristen instrumentalisiert

Vielleicht erscheint es zynisch, dass jetzt auf Twitter und Facebook von Journalisten dazu aufgerufen wird, keine Bilder und Videos der Exekution zu verbreiten. Doch es hat einen von uns getroffen, jemanden, der uns nah ist, den wir vielleicht selbst getroffen haben, der für viele Kollegen ein Freund war. Ich hoffe, dass dieser Schock zumindest zu einem Umdenken in den Medien führt, IS-Propagandamaterial nicht zu verbreiten – egal ob die Opfer ausländische Journalisten sind oder syrische Aktivisten, Araber oder Amerikaner, Muslime oder Christen.

Foley hat im Al-Shifa-Krankenhaus die Arbeit von Ärzten gefilmt, die unter den schwierigsten Bedingungen versucht haben, Menschenleben zu retten. Irgendwann löste er sich aus seiner Rolle als objektiver, distanzierter Beobachter. Er organisierte eine Spendensammlung, um dem Krankenhaus einen neuen Rettungswagen zu kaufen.

Bereits 2011 hatten libysche Regierungssoldaten Foley und zwei andere Journalisten entführt. Bei der Festnahme erschossen die Soldaten einen weiteren Journalisten, Anton Hammerl. Foley organisierte eine Auktion bei Christie's, mit deren Erlös er die Witwe und die Kinder von Hammerl unterstützte.

Das sollte in Erinnerung bleiben, und nicht wie Terroristen ihn instrumentalisiert haben.

James Foley wurde 40 Jahre alt.