Nach dem Putschversuch im Königreich Lesotho ist Ministerpräsident Thomas Thabane ins benachbarte Südafrika geflohen. "Sobald ich sicher bin, nicht getötet zu werden, kehre ich zurück", sagte er der BBC. Thabane sprach von einem versuchten Staatsstreich.

Die Armee des südafrikanischen Königreichs Lesotho hatte am frühen Morgen die Zentrale der Polizei in der Hauptstadt Maseru und einen Radiosender besetzt. Soldaten haben zudem mehrere Regierungsgebäude umstellt. Zuvor hatte die Polizei eine für Montag geplante Demonstration gegen die Regierung verboten.

Er habe mindestens einen Schützenpanzer auf den Straßen gesehen, sagte ein Wachmann der US-Botschaft der Nachrichtenagentur AP. Das Militär sei seit drei Uhr morgens in Bewegung und ziehe auch in andere Bezirke. Seinen Angaben zufolge stellten Radiosender mit Ausnahme eines katholischen Senders ihr Programm ein.

Telefonverbindungen und der Radioempfang seien gestört, sagte Sportminister Thesele Maseribane, Chef der an der Regierung beteiligten Basotho National Party. Er sei nach einer Warnung geflüchtet. Die Putschisten suchten unter anderem ihn und den Regierungschef Thabane. Ein AFP-Fotograf berichtete, ein verstärktes Militärkontingent habe Stellung vor Thabanes Residenz bezogen.

"Die Polizeistationen des Landes wurden am Morgen von Soldaten umstellt", bestätigte der Vorsitzende der Evangelikalen von Lesotho, Simeon Masemene. Er warf Vizeregierungschef Mothetjoa Metsing eine Beteiligung vor. Metsing führt die Partei Lesotho Congress for Democracy, die seit der Wahl 2012 an der brüchigen Koalitionsregierung beteiligt ist. Sie hatte vor Monaten angekündigt, den Ministerpräsidenten stürzen und eine neue Regierung bilden zu wollen.

Dementi des Regierungssprechers: "Kein Putsch"

Regierungssprecher Ramakhula Ramakhula wies die Berichte zurück: "Es gibt keinen Putsch." Die Regierung von Ministerpräsident Thabane sei weiter an der Macht. Es sei lediglich eine Polizeiwache umstellt worden. Es handele sich dabei um "ein Missverständnis zwischen Polizei und Militär".

Lesotho ist vollständig von Südafrika umgeben und hat etwa zwei Millionen Einwohner. Seit Mitte 2012 wird das Königreich, das 1966 seine Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte, von einer Koalitionsregierung aus drei Parteien regiert. Premierminister Tom Thabane, Chef der All Basotho Convention, war der erste Oppositionspolitiker, der auf dem Weg über Wahlen an die Spitze der Regierung gelangte. Seit der Unabhängigkeit hat Lesotho mehrere Militärputsche erlebt.

Wegen seiner Gebirgszüge wird das Land auch "Königreich im Himmel" genannt. Die meisten Einwohner leben in großer Armut. Textilfabriken und Diamantenminen sind die einzigen größeren Industriezweige der Enklave, die wirtschaftlich vollständig von Südafrika abhängig ist.