Das russische Militär hat nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko mit einer Invasion des Landes begonnen. Die Lage in der Region Donezk in der Ostukraine habe sich damit extrem verschärft, sagte Poroschenko: "Russische Truppen sind in die Ukraine gebracht worden." Auch der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk schrieb auf Twitter, Russland habe Waffen und Truppen in die Ukraine geschickt.

Der nationale Sicherheitsrat der Ukraine teilte mit, bei den Kämpfen in der Ostukraine habe das russische Militär die Kontrolle über den Grenzort Nowoasowsk übernommen. Die ukrainischen Soldaten hätten sich aus der Ortschaft zurückgezogen, um ihr Leben zu retten, hieß es. Die Separatisten würden zusammen mit russischen Truppen ihre Gegenoffensive im Südosten des Landes vorantreiben. Die ukrainische Armee konzentriere sich in der Region nunmehr nur auf die Verteidigung der Stadt Mariupol.

Die Nato geht von "deutlich mehr" als Tausend russischen Soldaten aus, die sich im Land befinden sollen. Sie kämpften mit den Separatisten und unterstützten sie, sagte ein ranghoher Nato-Militärvertreter. Zudem habe die Lieferung von Waffen und Ausrüstung aus Russland in Menge und Qualität zugenommen. (Details zur Lage auch im Live-Blog zur Ukraine hier)

Präsident Poroschenko forderte Sondersitzungen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen und des EU-Rates. "Die Welt muss sich zur heftigen Verschärfung der Lage in der Ukraine äußern", sagte er und berief den Sicherheitsrat des Landes zu Beratungen ein. Einen Besuch in der Türkei sagte er ab. "Der Platz des Präsidenten ist heute in Kiew", sagte Poroschenko. Auch Premier Jazenjuk verlangte Sondersitzungen der internationalen Gremien.

Die EU-Führung äußerte sich angesichts der eskalierenden Lage in der Ukraine sehr besorgt. Russland müsse jegliche Feindlichkeiten an der Grenze einstellen, sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. "Das umfasst natürlich die Bewegung von Waffen, Ausrüstung und Militärangehörigen von Russland in die Ukraine."

Russland bestritt, mit Militär in die Ukraine eingedrungen zu sein. Die russische Führung habe keinerlei Interesse an einer Invasion, sagte Andrej Kelin, der russische Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Wien. "Wir haben ganz klar gesagt, dass Russland mit Ausnahme von zehn Grenzsoldaten keine Truppen in der Ostukraine hat", sagte er. Zu den aktuellen Berichten könne er nur sagen, dass Russland nicht an einer Entsendung von Truppen interessiert sei. Die westlichen Bedenken entbehrten jeder Grundlage.

Die USA hatten Russland eine unmittelbare Beteiligung an den Kämpfen in der Ostukraine vorgeworfen. "Eine zunehmende Zahl russischer Soldaten greift direkt in die Kämpfe auf ukrainischem Territorium ein", schrieb der US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, bei Twitter. Russland hat ein direktes Eingreifen in die Kämpfe immer bestritten.

Nach Angaben des  Separatistenanführers Alexander Sachartschenko erhalten die Kämpfer in der Ostukraine jedoch Unterstützung durch Russen. "Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass es unter uns viele Russen gibt, ohne deren Hilfe wir es sehr schwer hätten", sagte er. "In unseren Reihen hat es etwa 3.000 bis 4.000 gegeben." Die Russen seien Freiwillige. "Es ist kein Geheimnis, dass es unter den Freiwilligen aus Russland viele Ex-Militärs gibt", sagte Sachartschenko.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, forderte angesichts des russischen Vorgehens in der Ukraine neue Sanktionen. Diese sollten auf dem EU-Sondergipfel am Samstag beschlossen werden, sagt der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters.