In Ägypten nehmen die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Muslimbruderschaft und Sicherheitskräften kein Ende. Mindestens zehn Demonstranten sind bei Zusammenstößen zwischen der Muslimbruderschaft und ägyptischen Sicherheitskräften gestorben, wie ägyptische Medien am Wochenende berichten. Weitere 136 wurden verhaftet. Die Unruhen dauern seit Donnerstag, dem Jahrestag der gewaltsamen Niederschlagung der Muslimbruder-Protestcamps, an.

Nach Berichten des ägyptischen Nachrichtenportals Ahram Online hatte die Polizei am Freitag fünf Anhänger der Bruderschaft in Gizeh getötet. Die Männer hätten zwei Busse in Brand gesetzt und versucht, Sprengladungen zu zünden. Bei einem anderen Zusammenstoß seien drei Demonstranten getötet worden. Das Portal Al-Masri al-Youm meldete, zwei weitere Demonstranten seien erschossen worden, nachdem sie auf Polizisten gefeuert hätten. Bereits am Donnerstag, dem eigentlichen Jahrestag, hatte es fünf Tote gegeben, darunter ein Polizist.


Kairos Polizei sichert seit Donnerstag gemeinsam mit dem Militär die großen Zufahrtsstraßen der Stadt sowie zentrale Plätze. Der Tahrir-Platz und der Rabia-Platz sind fast komplett abgeriegelt, Demonstrationen hatte es dort bis zum Samstag keine gegeben.

Die Muslimbruderschaft hatte zuvor eine Woche der Trauer angekündigt, um die Toten des "Rabia-Massakers" vom 14. August 2013 zu ehren. Bei dem Massaker wurden nach Angaben der Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch mehr als 800 Demonstranten von der Polizei getötet. Die ägyptischen Sicherheitskräfte hatten damals Sit-ins der Muslimbruderschaft aufgelöst, nachdem diese wochenlang für den ihr nahestehenden Präsidenten Mohamed Mursi demonstriert hatten.

Mursi war vom damaligen Armeechef und heutigen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi gestürzt worden. Seitdem geht die ägyptische Regierung hart gegen die Muslimbrüder vor: Die Organisation wurde als terroristische Vereinigung eingestuft, die Gelder der zugehörigen Partei für Freiheit und Gerechtigkeit eingefroren. Mehr als 16.000 Anhänger der Muslimbruderschaft wurden nach Angaben von Amnesty International verhaftet, Hunderte zum Tode verurteilt.