Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat einen Fahrplan für eine Waffenruhe im Osten des Landes angekündigt. Ziel sei es, diese so schnell wie möglich zu erreichen, sagte er nach einem Gespräch mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin in der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Die Feuerpause müsse von beiden Seiten eingehalten werden. "Die Friedensstrategie für die Ukraine wurde ausnahmslos von allen Politikern unterstützt, die in Minsk dabei waren", hieß es in einer auf Facebook verbreiteten Erklärung Poroschenkos.

Wladimir Putin äußerte sich zurückhaltender. "Es gibt noch sehr viele offene Fragen zwischen uns. An einer Lösung sind wir, die Ukraine und unsere europäischen Partner interessiert", sagte der russische Präsident. Eine Waffenruhe in der Konfliktregion könne Russland aber nicht beschließen. Ansprechpartner für die ukrainische Regierung seien die Aufständischen. Die russische Regierung könne jedoch Vertrauen schaffen. Auch im Gasstreit zwischen beiden Ländern soll neu verhandelt werden.

Bei ihrem ersten persönlichen Gespräch seit Anfang Juni hatten der russische und der ukrainische Präsident zuvor über Frieden für die Region Donezk beraten. "In Minsk entscheidet sich das Schicksal der Welt und Europas", sagte Poroschenko. Putin forderte die Ukraine zur friedlichen Lösung des Konflikts auf, bei dem laut Angaben der Vereinten Nationen bereits 2.200 Menschen starben. Laut Angaben von Poroschenko planen die Ukraine und Russland Beratungen von Grenzschutz und Generalstab.

Putin rechtfertigte nach dem Treffen das Vorgehen Russlands in den letzten Wochen. Er wies Kritik zurück, nach einem umstrittenen ersten Hilfskonvoi schicke Russland auch eine zweite Lastwagenkolonne eigenmächtig in das krisengeschüttelte Nachbarland. "Wir haben über die Notwendigkeit der Hilfe für Donezk und Luhansk gesprochen und vereinbart, wie wir zusammenarbeiten werden", sagte Putin der Agentur Interfax zufolge. Das Treffen sei "insgesamt positiv" gewesen.

Treffen von Kontaktgruppe in Minsk geplant

Zu Beginn des Treffens hatten sich Putin und Poroschenko vor Kameras die Hand gereicht. Beide vermieden bei den Gesprächen in großer Runde gegenseitige Schuldzuweisungen. Poroschenko rief nach Angaben russischer Agenturen die Mitglieder der Eurasischen Zollunion – Russland, Weißrussland und Kasachstan – auf, sich an einer Geberkonferenz für die notleidende Ostukraine zu beteiligen.

Eine Kontaktgruppe für die Ukraine-Krise soll dem weißrussischen Präsidenten und Gastgeber Alexander Lukaschenko zufolge künftig regelmäßig in Minsk tagen. Das erste Treffen könnte schon an diesem Mittwoch stattfinden. Das Gremium ist ein Gesprächsforum zwischen der ukrainischen Regierung und den Aufständischen unter Vermittlung Russlands und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), das sich schon mehrfach getroffen hat. Die Positionen lägen weit auseinander, aber alle seien sich in der Notwendigkeit eines Kompromisses einig, sagte Lukaschenko.

Trotz der Gespräche lieferten sich Separatisten und ukrainische Armee schwere Gefechte im Osten der Ukraine. Fast 250 prorussische Kämpfer kamen dabei nach ukrainischen Angaben seit Wochenbeginn ums Leben. Die russische Führung in Moskau räumte ein, dass sich eigene Soldaten im Nachbarland aufhielten. Neue Aufregung lösten in Kiew Berichte über zehn russische Fallschirmjäger aus, die am Rande der Kampfzone in der Region Donezk gefangen worden waren. Ungeachtet der Verhandlungen in Minsk beschloss die Regierung der Ukraine, binnen 48 Stunden neues Kriegsgerät für die sogenannte Anti-Terror-Operation ins Krisengebiet zu schicken.