Russland erwägt einem Medienbericht zufolge schärfere Sanktionen gegen die USA und die EU. Denkbar wäre ein teilweises oder vollständiges Importverbot für westliche Fahrzeuge, berichtete die Zeitung Vedomosti unter Berufung auf einen hochrangigen Beamten.

Die russischen Strafmaßnahmen sollen sich demnach nicht mehr nur auf Agrarprodukte beziehen, sondern auf Industriegüter ausgedehnt werden. Entsprechende Vorschläge seien bereits an Präsident Wladimir Putin übermittelt worden. Eine Entscheidung über neue Sanktionen sei aber noch nicht gefallen.

In Russland produzierte Fahrzeuge sollen von einem möglichen Bann nicht betroffen sein. Ford, Volkswagen, Renault, Toyota und Hyundai unterhalten Werke in Russland.

Wirtschaftsleistung gibt nach

Im ersten Halbjahr erreichten der Zeitung zufolge Importautos in Russland einen Marktanteil von 27 Prozent. Bei Lastwagen seien es 43 Prozent, bei Bussen 13 Prozent. Besonders betroffen wäre Deutschland: Kraftwagen und Kraftwagenteile waren im vergangenen Jahr mit 190,1 Milliarden Euro und einem Anteil von 17,4 Prozent an den Gesamtexporten wie schon in den vergangenen Jahren die wichtigsten Exportgüter.

Bisher ist nicht klar, wie sich die Sanktionen und Gegensanktionen zwischen Russland, der Europäischen Union, der Ukraine und den USA auf die jeweiligen Wirtschaftsräume ausgewirkt haben. Russischen Meinungsumfragen zufolge betrachten gut 60 Prozent der Bewohner die westlichen Sanktionen ohne Sorge. Die russische Wirtschaft zeigt allerdings erste Schwächen: Das Wachstum fiel im ersten Quartal deutlich geringer aus als erwartet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,8 Prozent – die Regierung hatte noch Anfang Juli mit einem Wachstum von 1,2 Prozent gerechnet. Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland war von April bis Juni um 0,2 Prozent zum Vorquartal und damit erstmals seit mehr als einem Jahr geschrumpft. 

EU beschließt Hilfen für Landwirte

Die Europäische Union stellt von Sanktionen betroffenen Erzeugern Hilfen zur Verfügung. Das gab die EU-Kommission am Montag bekannt. Die Behörde hatte die Maßnahmen vergangene Woche angekündigt. Geplant sind Aufkäufe und Entschädigungen für vorzeitige Ernte oder Ernteverzicht. Landwirte können auch rückwirkend Unterstützung beantragen. Die Vorkehrungen gelten bis Ende November, die EU-Kommission geht von Kosten in Höhe von 125 Millionen Euro aus.

Die Hilfe gilt für Erzeuger von Tomaten, Möhren, Weißkohl, Paprika, Blumenkohl, Gewürz- und Salatgurken, Pilzen, Äpfel, Birnen, Trauben, Kiwis und roten Früchte – letzteres ist ein Sammelbegriff für sieben Beerensorten.