Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sieht keine Alternative zu Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak. Neben humanitärer Hilfe, die weiterhin für die Bundesregierung Priorität habe, gehe es auch darum, die kurdischen Streitkräfte in ihrem Kampf gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat zu unterstützen. "Natürlich sind Waffenlieferungen in Spannungsgebiete nur in allergrößten Ausnahmefällen möglich. Wir sind hier in einer Sondersituation."   

Es werde jedoch kein grundsätzlicher Kurswechsel in der deutschen Rüstungsexportpolitik angestrebt. Die Entscheidung der Regierung sei ein "tiefer Einschnitt", aber "weder ein grundsätzlicher Paradigmenwechsel noch eine Abkehr von einer an politischen Lösungen orientierten Außenpolitik", sagte Steinmeier der Sächsischen Zeitung. Es sei "in einer Welt in Unordnung" nicht möglich, "immer gleich kategorische Antworten geben zu wollen". 

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Pläne verteidigt. In einem Interview mit der Chemnitzer Freien Presse räumte sie ein, die Waffen könnten in die falschen Hände gelangen. "Ich will nicht so tun, als bestehe dieses Risiko überhaupt nicht", sagte Merkel. Es gebe kein hundertprozentiges Ja oder Nein auf die Frage, ob man mit der Entscheidung richtigliege.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner, ein Vertreter des linken Flügels seiner Partei, äußerte dagegen seine Bedenken: "Meine Sorge ist, dass die Folgewirkung ist, dass wir heute Waffen liefern und morgen werden damit unschuldige Menschen erschossen." In Erinnerung an den Krieg der USA gegen den Irak zu Zeiten von Saddam Hussein sagte Stegner: "Ich glaube, dass es gut ist, dass die USA Luftangriffe machen, wobei die USA auch dazu beigetragen haben, dass der irakische Zentralstaat nicht in der Lage ist, die Minderheiten zu schützen." Heraushalten und keine Waffen schicken sei nicht das Gleiche: "Deutschland leistet eine ganze Menge an Hilfe. Wir dürfen die humanitäre Hilfe nicht geringschätzen."

Am 1. September will der Bundestag über die geplanten Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak beraten. Darauf hätten sich die Spitzen der Koalitionsfraktionen geeinigt, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, Christine Lambrecht. Die Entscheidung, Waffen in den Irak zu liefern, liegt bei der Bundesregierung. Kritik an dem Vorhaben kommt vor allem aus den Oppositionsparteien sowie der SPD.