Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt vor einer nuklearen Katastrophe in der Ostukraine. Die Reaktoren des etwa 200 Kilometer von der Front entfernt liegenden AKW Saporoschje seien nur unzureichend gegen Beschuss geschützt, sagte Tobias Münchmeyer, Atomexperte von Greenpeace, der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

Die Reaktoren des Kraftwerks sind veraltet, sie stammen aus der ehemaligen Sowjetunion. Die Reaktorhülle aus Beton sei nur 1,20 Meter dick und überstehe nur den Absturz kleinerer Flugzeuge. Gegen einen direkten Beschuss seien die Reaktoren kaum geschützt. "Es gibt in der Region viele panzerbrechende Waffen, die diese Hülle durchschlagen können", so Münchmeyer. Wegen der sowjetischen Bauart sei die Ukraine außerdem von russischen Experten und Ersatzteilen abhängig. "Man kann sich vorstellen, dass nötige Lieferungen jetzt ausbleiben."

Auch ein Angriff auf die Stromversorgung oder das Stromnetz könne durch den Ausfall der Kühlung verheerende Folgen haben, wie das Beispiel Fukushima gezeigt habe.

Die deutsche Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) beobachtet die Entwicklung nach eigenen Angaben sehr genau und stehe in engem Austausch mit den Behörden in der Ukraine. Es gebe aber zurzeit "keine Informationen, die Anlass zu konkreten Beunruhigungen geben", teilte die GRS nach Angaben der Zeitung mit. 

Derzeit sind in der Ukraine 15 Reaktoren an vier Standorten in Betrieb. Sie decken rund die Hälfte des Strombedarfs des Landes.