Die ukrainische Armee hat am Rande der Kampfzone in der Region Donezk zehn russische Fallschirmjäger gefangen genommen. Die Soldaten der 98. russischen Luftlandedivision seien nahe des ukrainischen Dorfs Dserkalne festgenommen worden. Das Dorf liegt rund 50 Kilometer südöstlich von Donezk, der ukrainischen Stadt, die seit Monaten in der Hand der prorussischen Separatisten ist. Die Soldaten hätten russische Ausweise bei sich gehabt, teilte der Sicherheitsrat in Kiew mit.  

Die Regierung in Moskau bestätigte den Grenzübertritt. Es habe sich um eine Grenzpatrouille gehandelt, die an einer nicht markierten Stelle "zufällig" auf ukrainisches Gebiet gelangt sei, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. 

Die Ukraine hat ein Strafverfahren wegen des illegalen Übertritts der Grenze eingeleitet. Gleichzeitig hat die ukrainische Armee Video-Interviews der Gefangenen online gestellt. Darin ist ein Mann zu sehen, der mit unsicherer Stimme erklärt, er habe nicht gewusst, wo er sich befinde. Zwar sei der Truppe befohlen worden, die Panzernummern zu färben, er habe aber erst verstanden, dass er sich in der Ukraine befinde, als er einen Panzer mit ukrainischer Flagge gesehen habe und er und seine Kameraden unter Beschuss gerieten.

"Sie haben uns nur gesagt, wir würden auf einen 70-Kilometer-Marsch gehen, der drei Tage dauern soll", sagte ein weiterer Soldat. "Alles ist anders hier, ganz anders als es im Fernsehen aussieht. Wir sind als Kanonenfutter hier angekommen", sagte er.

USA spricht von "deutlicher Eskalation"

Kiew wirft Russland seit Monaten vor, die prorussischen Separatisten mit Kämpfern und Waffen zu unterstützen. In den vergangenen Tagen beschuldigte die ukrainische Regierung Moskau zudem, mehrere Militärkonvois über die Grenze geschickt zu haben. Die ukrainische Armee griff am Montag nach eigenen Angaben einen Konvoi gepanzerter russischer Fahrzeuge an, der sich auf dem Weg in die Küstenstadt Mariupol befunden habe. Moskau bezeichnete die Angaben als Versuch der Desinformation.

Die USA warfen Russland eine "deutliche Eskalation" vor. "Das wiederholte russische Vordringen in die Ukraine ist inakzeptabel, gefährlich und brandstiftend", sagte die Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice. Unter anderem sei Russland mit "Dutzenden Panzern und Soldaten" ins Nachbarland eingedrungen. Damit sei Moskau für eine "deutliche Eskalation" der Lage in der Ukraine verantwortlich.