Die Außenminister aus Frankreich, der Ukraine, Deutschland und Russland (von links nach rechts) spazieren vor Beginn der offiziellen Gespräche durch einen Park in Berlin. © Thomas Peter/Reuters

Über ein weiteres Krisentreffen zum Ukraine-Konflikt soll bis Dienstag entschieden werden. Nachdem die fünfstündigen Gespräche am Abend in Berlin ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gegangen waren, wollen die Außenminister Russlands, der Ukraine, Deutschlands und Frankreichs mit ihren Staats- und Regierungschefs über eine Fortsetzung beraten. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, er glaube und hoffe, "dass wir in einzelnen Punkten Fortschritte erreicht haben". Details dazu nannte er nicht. Auch in französischen Diplomatenkreisen war von Fortschritten trotz eines schwierigen Gesprächsklimas die Rede.

Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin widersprach: "Um Fortschritte zu erzielen, muss man sich wohl noch viele Male für fünf Stunden treffen", teilte er auf Twitter mit. Es seien "schwierigste Gespräche" gewesen. Klimkin fügte hinzu, er sei Steinmeier und dem französischen Außenminister Laurent Fabius "dankbar für deren Unterstützung".  

Der russische Außenminister Sergej Lawrow verließ den Tagungsort, ohne einen Kommentar zu den Gesprächen abzugeben. Russland sprach im Nachhinein jedoch von Fortschritten. Man sei übereingekommen, den Dialog in dieser Form fortzusetzen, hieß es aus dem russischen Außenministerium. Bei künftigen Treffen könnten Vorschläge für ein Deeskalation unterbreitet werden.

Das zentrale Thema war laut Steinmeier die Frage, wie man Wege hin zu einem Waffenstillstand in der Ostukraine finden könne. Daneben sei es um eine effektive Kontrolle der russisch-ukrainischen Grenze sowie um humanitäre Hilfe gegangen.

Steinmeier, Klimkin, Lawrow und Fabius sprachen ohne Berater miteinander. Der Austausch in kleiner Runde sollte zu möglichst offenen Gesprächen beitragen. Vor dem Treffen hatte Steinmeier davor gewarnt, "dass wir immer weiter hineinschlittern in eine Konfrontation unmittelbar zwischen ukrainischen und russischen Streitkräften". Das müsse auf jeden Fall vermieden werden. Von einer politischen Lösung der Krise sei man noch weit entfernt.

Heftige Kämpfe in der Ostukraine

Vor und während des Treffens dauerten die Kämpfe in der Ostukraine an. Prorussische Separatisten schossen nahe Luhansk ein Kampfflugzeug vom Typ MiG-29 ab. Die Separatisten berichteten zudem vom Abschuss eines Kampfjets vom Typ Suchoi Su-25. Auch am Boden dauerten heftige Gefechte zwischen Armee und Aufständischen an. Nach unbestätigten Berichten der Bürgerkriegsparteien gab es Dutzende Tote.

Klimkin bat vor dem Treffen die EU und die Nato um militärische Hilfe. Die Gefahr einer russischen Invasion sei allgegenwärtig. Ständig sickerten Kämpfer und Kriegsgerät aus dem Nachbarland ein, beklagte der frühere ukrainische Botschafter in Berlin im Deutschlandfunk.

Einem ukrainischen Militärsprecher zufolge sollen in der Nacht von russischem Territorium aus drei Raketenwerfer vom Typ Grad in das Kampfgebiet geschafft worden sein. Die Separatisten bestätigen selbst, Militärunterstützung aus Russland erhalten zu haben. 30 Panzer sowie 1.200 auf russischem Gebiet ausgebildete Kämpfer seien zur Verstärkung gekommen, verkündete ihr Anführer Andrej Sachartschenko in einem Video.

Die russische Führung bestritt eine direkte Beteiligung am Konflikt. "Wir haben mehrfach gesagt, dass wir keine Technik dorthin liefern", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Agenturen zufolge.