Russische Soldaten während eines Manövers im Süden des Landes © Andrey Kronberg/AFP/Getty Images

Russland hat nach Informationen der New York Times die Zahl seiner Soldaten an der Grenze zur Ukraine fast verdoppelt. Unter Berufung auf westliche Regierungsvertreter berichtete die Zeitung, russische Einheiten könnten somit ohne Weiteres und mit wenig Vorwarnung grenzüberschreitend aktiv werden. Russland habe in den vergangenen Wochen bis zu 17 Bataillone – schätzungsweise 19.000 bis 21.000 Soldaten – im grenznahen Gebiet zusammengezogen. Das Blatt sprach wörtlich von einer "gefechtsbereiten Streitmacht" inklusive Infanterie, Artillerie und Luftabwehr.

Die Absichten der russischen Regierung seien unklar, schreibt die NYT. Einerseits könnte Präsident Wladimir Putin Druck auf die ukrainische Führung und auf die USA ausüben wollen, um für die östlichen ukrainischen Provinzen eine weitgehende Autonomie durchzusetzen. Andererseits bestehe aber die Möglichkeit, dass Putin sich die Option eines russischen Eingriffs vorbehalte. Denkbar sei auch, dass Russland seine Truppen unter dem Deckmantel einer Friedensmission über die Grenze schicken könnte, wurden US-Geheimdienstkreise zitiert. 

Eine Deeskalation ist in der Ukraine-Krise also nicht in Sicht. Nachdem Russland ein Großmanöver begonnen hatte, unterstrich Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen die Geschlossenheit des westlichen Verteidigungsbündnisses. "Der kriminelle Abschuss von Flug MH17 hat deutlich gemacht, dass ein Konflikt in einem Teil der Welt tragische Konsequenzen überall in der Welt haben kann", sagte Rasmussen am Montag. Zusammen mit dem britischen Premier David Cameron hatte er zuvor den Nato-Oberbefehlshaber, US-General Philip Breedlove, getroffen.

An dem russischen Großmanöver beteiligen sich bis zum 8. August Kampfjets und Hubschrauber. Auch in Nato-Staaten hatte es im Zuge der Ukraine-Krise Manöver gegeben.

Gefechte am MH17-Absturzort

Die Separatisten in der Ukraine warfen der Armee vor, eine Waffenruhe am Absturzort des malaysischen Passagierflugzeugs nicht einzuhalten. Wegen Granateneinschlags hätten 124 internationale Experten die Untersuchung des Trümmerfelds bei Grabowo abbrechen müssen, teilten die prorussischen Aufständischen mit. Die Rettungskräfte suchen nach Leichenteilen sowie persönlichen Gegenständen der 298 Opfer.

Die Helfer gehen von mehrwöchigen Arbeiten aus. Bisher sei erst eine von fünf Zonen im Gebiet abgesucht worden, sagte ein Sprecher. Die Boeing 777-200 war am 17. Juli vermutlich abgeschossen worden. Armee und Aufständische geben sich gegenseitig die Schuld. Von der ostukrainischen Stadt Charkow aus brachte am Montag eine weitere Maschine Leichenteile von Flug MH17 in die Niederlande.

Kämpfe um Donezk und Luhansk

Bei schweren Gefechten mit Separatisten gelangten Hunderte ukrainische Soldaten auf russisches Gebiet. Die Regierung in Kiew sprach von einem "taktischen Manöver", russische Behörden von Fahnenflucht. Ein Großteil der 438 Soldaten wolle vorerst in Russland bleiben, sagte Wassili Malajew vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB, der für den Grenzschutz zuständig ist.

In Luhansk und Donezk dauerten die Gefechte der Regierungskräfte mit militanten Gruppen unvermindert an. In Luhansk seien durch Artilleriebeschuss die Wasser- und Stromversorgung sowie das Telefonnetz zusammengebrochen, teilte diese mit. Große Versorgungsprobleme gab es auch in der 150 Kilometer südwestlich gelegenen Großstadt Donezk.