Die Fahrer des russischen Hilfskonvois öffnen die Lastwagen, damit die Ladung inspiziert werden kann. © Maxim Shemetov/Reuters

Ukrainische Grenzschützer und Zollbeamte haben an einem Grenzposten auf russischem Territorium damit begonnen, den russischen Hilfskonvoi zu überprüfen. Die Kontrollen der ukrainischen Beamten hätten um 10 Uhr (9 Uhr MESZ) begonnen, sagte Militärsprecher Leonid Matjuchin. Beteiligt seien 41 Grenzschützer sowie 18 Zollbeamte. Nach der Überprüfung der rund 280 Lkws solle die Fracht in die nach wie vor von prorussischen Separatisten kontrollierte Stadt Luhansk gebracht werden, sagte er. 

Zuvor wurde russischen und auch westlichen Journalisten erlaubt, die Ladung der Lastwagen selbst zu überprüfen und zu fotografieren. Auf den Bildern ist zu sehen, dass einige Ladeflächen nahezu leer sind. Die Fahrer, die vor den Augen der Journalisten auch einige Kisten geöffnet haben, sagten zur Erklärung, man habe Reserveflächen vorgesehen für den Fall, dass der ein oder andere Lastwagen liegenbleiben sollte.

Nach russischer Darstellung haben die Lkws knapp 2.000 Tonnen Lebensmittel, Medikamente sowie Stromgeneratoren geladen. Weil die Regierung in Kiew vermutet, Russland wolle mit dem Konvoi die Separatisten unterstützen und womöglich eine Invasion vorbereiten, will sie die russischen Lastwagen nicht unkontrolliert ins Land lassen.  

Nervenkrieg im Grenzgebiet

Die Verteilung der Hilfsgüter müsse unter die exklusive Aufsicht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) gestellt werden, hatte die ukrainische Regierung gefordert. Die internationale Kontaktgruppe aus Vertretern der Ukraine, Russlands und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) werde den genauen Weg für den Konvoi festlegen, erklärte die Regierung. Die Verantwortung dafür, dass die Separatisten den Konvoi nicht angreifen, liege alleine bei Russland.

Die Situation im Grenzgebiet bleibt angespannt. Eine Reporterin der ARD hatte am Morgen beobachtet, wie sich 19 gepanzerte russische Fahrzeuge in Bewegung gesetzt hatten. Sie hatten sich von dem Hilfskonvoi losgelöst und rollten Richtung Grenze. 

Im Schutz der Dunkelheit sollen bereits in der Nacht 23 gepanzerte Mannschaftstransportwagen die Grenze zur Ukraine passiert haben, gemeinsam mit Tanklastwagen und anderen Versorgungsfahrzeugen. Reporter des Guardian und des Telegraph berichteten, an allen Fahrzeugen seien Kennzeichen des russischen Militärs angebracht gewesen. Der Vorfall ereignete sich demnach nahe der russischen Stadt Donezk, die rund 200 Kilometer entfernt vom ukrainischen Donezk liegt und von Separatisten kontrolliert wird. Die Fahrzeuge hätten eine Lücke im Grenzzaun genutzt.

Russland widerspricht Bericht über Armeekonvoi

Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin kündigte eine Untersuchung der Grenzüberschreitungen zwischen Russland und der Ukraine an. Der Bild-Zeitung sagte er: "Wir haben fast in jeder Nacht Fälle, in denen Panzer, Waffen und Kämpfer über diese Grenze gebracht werden. Die Grenze muss endlich effektiv von der OSZE kontrolliert werden, damit das ein Ende hat. Russland versucht so, die Ukraine dauerhaft zu destabilisieren."

Der für den Grenzschutz zuständige russische Inlandsgeheimdienst FSB hat die Berichte über die Einfahrt eines russischen Militärkonvois in die Ukraine zurückgewiesen. "Die Grenzverwaltung für das Gebiet Rostow bestätigt diese Informationen nicht", sagte  Sprecher Nikolai Sinizyn der Staatsagentur Ria Nowosti.