Die russische Regierung schickt ihren Hilfskonvoi für die Ostukraine über die Grenze – ohne das Einverständnis der Regierung in Kiew. Nach Angaben russischer und westlicher Medien sollen mittlerweile bis zu 100 Lastwagen auf ukrainischem Boden sein. Die Nachrichtenagentur Interfax beruft sich bei ihren Angaben auch auf das Staatliche Grenzamt der Ukraine.

Das Außenministerium in Moskau hatte am Morgen mitgeteilt: "Wir ertragen die offenen Lügen und die Weigerung, eine Einigung zu erzielen, nicht länger – Russland hat beschlossen, zu handeln." Der Hilfskonvoi werde in Richtung Luhansk starten, hieß es weiter. Das Ministerium warnte zugleich vor jeglichem Versuch, die Mission zu behindern.

Zwischen Russland und der Ukraine ist vereinbart, dass der Hilfskonvoi unter Beobachtung des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) gestellt wird. Die Mitarbeiter des IKRK begleiten den Konvoi nach eigenen Angaben jedoch nicht. "Wir haben keine ausreichenden Sicherheitsgarantien von den Konfliktparteien erhalten. Unser Team berichtet von schweren Kämpfen in der Nacht in Luhansk", teilte das IKRK auf Twitter mit.

Ein Beobachter an der Grenze hatte zuvor mitgeteilt, er sehe nur Männer am Steuer, die in beige gekleidet sind – demnach könnte es sich um die russischen Fahrer handeln, die den Konvoi bereits von Moskau an die Grenze gefahren haben. 

Lastwagen fahren durch von Separatisten kontrolliertes Gebiet

Ankunftsziel des Konvois ist die umkämpfte Stadt Luhansk, in der die Bewohner seit fast drei Wochen ohne Strom und Wasser sind. Der Weg führt durch die von Separatisten kontrollierte Region Luhansk. In mehreren Städten – darunter die Großstädte Luhansk und Donezk – liefern sie sich schwere Kämpfe mit der ukrainischen Armee. Dabei wurde in der vergangenen Woche auch ein Flüchtlingskonvoi von einer Rakete getroffen. Die ukrainische Armee macht die Separatisten für den Angriff verantwortlich, von unabhängiger Seite wurde dies nicht bestätigt.

Damit der Konvoi ungehindert nach Luhansk gelangen kann, wollen die Separatisten nach eigenen Angaben den Weg absichern: "Wir haben Regulierungsposten und Blockstellen zur Sicherung der unbehinderten Durchgehen des Hilfskonvois nach Luhansk errichtet", hieß es aus dem Hauptquartier der selbsternannten Republik Donezk.

Die ukrainische Regierung hat die Weiterfahrt der Kolonne bis heute nicht genehmigt. Sie hatte zunächst befürchtet, Russland könnte den Konvoi als Deckmantel für eine Invasion nutzen. Am Wochenende hatten die Verantwortlichen in Kiew den Konvoi und dessen Hilfsgüter für die Ostukraine anerkannt und so prinzipiell den Weg für die Lastwagen freigemacht. Die Weiterfahrt verzögerte sich jedoch weiter, weil die Mitarbeiter des IKRK auf Sicherheitsgarantien beider Länder pochten.