Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat vor einer Verschlimmerung der Ukraine-Krise gewarnt. Wenn man nicht aufpasse, dann könne es "zu einer Konfrontation unmittelbar zwischen ukrainischen und russischen Streitkräften" kommen, sagte Steinmeier kurz vor einem Treffen mit seinen Kollegen aus Frankreich, Russland und der Ukraine in Berlin. "Das muss auf alle Fälle vermieden werden." Die jüngsten Nachrichten aus der Ostukraine zeigten jedenfalls, dass der Konflikt sich noch verschlimmern könnte.

"Wir brauchen eine dauerhafte Lösung", sagte der deutsche Außenminister. Ziel des Treffens seien eine dauerhafte Waffenruhe in der Ukraine sowie effektive Grenzsicherungen. "Wir versuchen hier, die Schritte dahin zu formulieren." Allerdings zeigte sich Steinmeier auch skeptisch über die Erfolgsaussichten einer neuerlichen Vermittlung: "Das eigentliche Drama ist, dass alle bisherigen Vereinbarungen (...) allesamt nicht erfüllt worden sind."

Neben seinem ukrainischen Kollegen Pawlo Klimkin reisten Sergej Lawrow aus Russland sowie Laurent Fabius aus Frankreich an. Klimkin hatte zuvor die EU und die Nato um militärische Hilfe gebeten. Die Gefahr einer russischen Invasion sei allgegenwärtig, sagte er im Deutschlandfunk. Ständig sickerten Kämpfer und Kriegsgerät aus dem Nachbarland ein.

Ukraine meldet neue Waffenlieferungen aus Russland

Einem ukrainischen Militärsprecher zufolge sollen allein in der vergangenen Nacht von russischem Territorium aus drei Raketenwerfer vom Typ Grad in das Kampfgebiet geschafft worden sein. Die Separatisten bestätigen, Militärunterstützung aus Russland erhalten zu haben. 30 Panzer sowie 1.200 auf russischem Gebiet ausgebildete Kämpfer seien zur Verstärkung gekommen, sagte der Anführer Andrej Sachartschenko.

Die russische Führung bestritt eine direkte Beteiligung am Konflikt. "Wir haben mehrfach gesagt, dass wir keine Technik dorthin liefern", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Agenturen zufolge. 

Russland kritisiert bürokratische Hürden für Konvoi

Zugleich warf die russische Regierung der Ukraine vor, eine Hilfslieferung mit bürokratischen Hürden zu blockieren. Die Ukraine erkannte den Konvoi bestehend aus 280 Lastwagen inzwischen als Hilfslieferung an. Sozialministerin Ljudmila Denissowa bestätigte dem Internationalen Roten Kreuz, dass die Lastwagen insgesamt fast 2.000 Tonnen Lebensmittel, Schlafsäcke und Generatoren transportieren. Das Rote Kreuz wartet allerdings weiter auf Sicherheitsgarantien für den Transport durch das umkämpfte Territorium.

Bei Kämpfen im Raum Donezk wurden nach Angaben der Stadtverwaltung von Sonntag mindestens zehn Zivilisten getötet. Acht Menschen wurden verletzt. In Luhansk beschädigte der Artilleriebeschuss viele Häuser, die ukrainische Armee rückte in der Rebellenhochburg weiter vor. Die Separatisten teilten mit, bei schweren Gefechten etwa 44 Soldaten getötet und 40 Armeefahrzeuge zerstört zu haben. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht.