Russland hat Vorwürfe einer Truppenkonzentration an der ukrainischen Grenze dementiert. Derartige Behauptungen der Nato und der USA seien eine "Irreführung der Weltöffentlichkeit", teilte das russische Verteidigungsministerium der Agentur Interfax zufolge mit. "Wir haben Mitleid mit den Pressesprechern, die immer wieder zu solchen Vorwürfen gezwungen werden", sagte Generalmajor Igor Konaschenkow. 

Die Nato wirft Russland vor, einen Einmarsch in die Ukraine vorzubereiten. Man habe Sorge, dass Russland unter dem Vorwand einer "Friedensmission" Truppen in das Nachbarland entsenden könnte, sagte eine Sprecherin. "Wir können nicht mutmaßen, was Russland vorhat, aber wir können sehen, was Russland macht – und das erfüllt uns mit großer Sorge." Demnach habe Russland etwa 20.000 Soldaten in Grenznähe stationiert. Die USA gehen nach den Worten des Pentagon-Sprechers John Kirby von 10.000 russischen Soldaten an der ukrainischen Grenze aus. 

Aus Russland hieß es, derartige Behauptungen würden "platzen wie Seifenblasen".  "Die USA sprechen von 10.000 Soldaten, die Nato spricht gar von 20.000. Das wäre den OSZE-Beobachtern in der Region kaum entgangen", sagte Generalmajor Konaschenkow.     

Auch Polens Ministerpräsident Donald Tusk warnte vor einer russischen Invasion in der Ostukraine. Er habe Informationen erhalten, dass die Gefahr einer direkten Intervention Russlands in der Ukraine stark gestiegen sei. Schon am Dienstagabend hatte sein Außenminister Radosław Sikorski gesagt, die russische Armee habe ihre Gefechtsbereitschaft in der Grenzregion zur Ukraine wiederhergestellt. Dort stünden mehrere Bataillone bereit. Diese sollten "nur Druck ausüben. Oder einmarschieren".

Bundesregierung kritisiert russischen Aufmarsch

Die Bundesregierung kritisierte die russischen Manöver ebenfalls. "Angesichts der angespannten Situation trägt die Kombination aus einem großangelegten Militärmanöver und einer Truppenkonzentration in der Nähe der Grenze nicht zu der von uns geforderten Entschärfung der Lage bei", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums. Man beobachte das Vorgehen an der ukrainischen Grenze sehr genau. "Wir fordern von Russland eine größtmögliche Transparenz", sagte die Sprecherin. 

Nach Nato-Angaben hat Russland seit Anfang des Monats im Grenzgebiet zur Ukraine Panzer, Infanterie, Artillerie sowie Luftabwehrsysteme zur logistischen Unterstützung zusammengezogen. Auch Spezialkräfte und verschiedene Einheiten der Luftwaffe seien vor Ort. Dadurch heize Russland den Konflikt weiter an. An diesem Donnerstag wird Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zu Krisengesprächen mit der prowestlichen Führung in Kiew erwartet. 

Ukraine dementiert Berichte über Luftangriffe auf Donezk

Unterdessen rückte die ukrainische Armee nach eigenen Angaben im Osten des Landes weiter gegen die Stellungen der Separatisten vor. Dabei seien bis Mittwochmorgen 18 ukrainische Soldaten getötet und 54 verwundet worden. Ein ukrainischer Armeesprecher widersprach der Darstellung, dass die Luftwaffe in der Nacht zum Mittwoch Angriffe auf die von Separatisten kontrollierte Stadt Donezk geflogen habe. Das einzige ukrainische Flugzeug in der Nähe der Millionenstadt sei für die Kommunikation mit den eigenen Bodentruppen zuständig gewesen. "Das ukrainische Militär bombardiert weder Donezk oder Luhansk noch andere dicht besiedelte Orte", sagte der Sprecher. Bewohner von Donezk hatten berichtet, dass die ukrainische Luftwaffe Raketen abgefeuert habe. 

Die Eskalation im Osten der Ukraine macht vielen Deutschen Sorgen: Jeder Dritte hält nach einer Forsa-Umfrage eine militärische Auseinandersetzung zwischen der Nato und Russland für möglich. Demnach schließen 33 Prozent der Befragten einen Krieg nicht aus, 62 Prozent halten ihn für eher unwahrscheinlich. Der Erhebung zufolge sorgen sich besonders Frauen (41 Prozent) um eine mögliche kriegerische Konfrontation, von den Männern sind es 24 Prozent.