Im Fall der grassierenden Ebola-Epidemie in Westafrika hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Europas schleppend anlaufende Unterstützung kritisiert. Auf europäischer Ebene müsse man sich bei solchen Katastrophen "besser abstimmen", sagte Merkel. Gerade im Bereich Zivilschutz laufe es "auf europäischer Ebene nicht so gut," sagte die Kanzlerin der Allgemeinen Zeitung aus Mainz. Europa reagiere nicht "schlagkräftig und schnell genug".

Die Arbeit des Technischen Hilfswerks (THW) und der Bundeswehr lobte die Kanzlerin dagegen. Das THW erkundet derzeit in Westafrika Unterstützungsmöglichkeiten. Die Bundeswehr ist an der Einrichtung einer Luftbrücke für die von Ebola betroffene Region beteiligt.

Die Grünen warfen Merkel vor, ihre eigene wochenlange Untätigkeit vertuschen zu wollen. "Erst schweigt Frau Merkel wochenlang und nun zeigt sie mit dem Finger auf andere", sagte die Grünen-Gesundheitsexpertin Kordula Schulz-Asche.

In den vergangenen Wochen gab es mehrfach Kritik am zögerlichen Anlaufen deutscher Hilfen. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte etwa kritisiert, dass die Bundesregierung nicht das Ausmaß der Epidemie begriffen habe. So sei zum Beispiel der angekündigte Transport einer Krankenstation in das Krisengebiet ohne zugehöriges Personal wirkungslos. 

Transall-Maschinen für Ebola-Luftbrücke wieder einsatzbereit

Wegen technischer Probleme bei einem Transall-Transportflugzeug hatte sich am Montag zudem eine Hilfsaktion der Bundeswehr verzögert. Der Flieger war auf Gran Canaria liegengeblieben. Inzwischen sind die beiden Bundeswehrmaschinen für die Luftbrücke in die betroffenen Gebiete wieder einsatzbereit. Wann die Luftbrücke in die Ebola-Gebiete in Liberia, Guinea und Sierra Leone startet, ist noch unklar.

Laut der jüngsten Bilanz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind dem Ebola-Virus im Westen Afrikas bereits 3.093 Menschen zum Opfer gefallen, davon allein 1.830 in Liberia. Bei einem Andauern der Seuche sei die gesamte Wirtschaftsentwicklung des Landes gefährdet, warnte Liberias Industrieminister Axel Addy. Die Wachstumsprognose für dieses Jahr sei bereits von 5,9 Prozent auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes gesenkt worden.