Zwei Monate hatte es gedauert, am Mittwoch Mittag war es endlich soweit: Jean-Claude Juncker, der neue Chef der EU-Kommission, stellte seine Kommissare vor, mit denen er in den kommenden fünf Jahren die EU-Kommission führen will. Die Betonung liegt dabei auf "seine". Denn die künftige Leitung der Brüsseler Behörde trägt deutlich seine Handschrift. Und der Luxemburger ließ keinen Zweifel, dass sie wesentlich energischer und politischer agieren soll als die bisherige Kommission unter seinem Vorgänger Manuel Barroso.

Dafür soll vor allem die neue Struktur der Kommission sorgen. Die 28 Kommissare werden sieben mächtigen Vizepräsidenten unterstellt, welche die Arbeit der Kommissare und die geplanten Großprojekte koordinieren sollen. Als Super-Vizepräsidenten benannte Juncker den Niederländer Frans Timmermans, einen entschiedenen Proeuropäer, der für eine effiziente EU-Gesetzgebung und ein geschmeidiges Zusammenspiel mit dem EU-Parlament sorgen soll – im Zweifel auch gegen Einzelinteressen der Mitgliedsländer.

Auffallend ist, dass unter Junckers Stellvertretern fast durchweg Vertreter kleinerer EU-Staaten sind – und kein Deutscher. Günther Oettinger, bisher deutscher Energiekommissar, ist künftig für die digitale Wirtschaft zuständig. Dazu gehört der Ausbau der europäischen Netze genauso wie die Anpassung des Urheberrechts an das Internetzeitalter. Zweifellos ein wichtiger Bereich, den auch Juncker als eine der zentralen europäischen Zukunftsaufgaben mit großer ökonomischer Bedeutung ansieht. Digitale Wirtschaft ist aber trotzdem eben kein wirklich zentrales Ressort, das sich Merkel für ihren Mann in Brüssel erhofft hatte. Zudem untersteht Oettinger dem Esten Andrus Ansip.

Ein Franzose kontrolliert die Pariser Schulden-Regierung

Die Kanzlerin hätte es lieber gehabt, wenn der frühere baden-württembergische Ministerpräsident zum Handelskommissar befördert worden wäre. Denn dann wäre er auch für die umstrittenen Verhandlungen mit den USA über das Freihandelsabkommen TTIP verantwortlich geworden. Um die kümmert sich nun die Schwedin Cecilia Malmström.  

Noch an einer weiteren Stelle konnte sich die Kanzlerin nicht durchsetzen: Wirtschafts- und Währungskommissar wird – trotz ihres anfänglichen Widerstands – der frühere französische Finanzminister Pierre Moscovici. Angela Merkel hatte das eigentlich verhindern wollen, weil sie den Sozialisten für die hohe Verschuldung in seinem Heimatland mitverantwortlich macht und ihm daher nicht zutraut, gegenüber der eigenen Regierung in Paris und anderen Schuldenländern wie Italien die Einhaltung des Stabilitätspakts durchzusetzen. Juncker aber ignorierte diese Bedenken und folgte dem Wunsch des französischen Präsidenten François Hollande.

Merkel kann sich allerdings damit trösten, dass Moscovici nicht allein über die Einhaltung der Schuldengrenze wachen wird. Er muss sich mit den ihm vorgesetzten Vize-Kommissionspräsidenten Jyrki Katainen aus Finnland und dem Letten Valdis Dombrovski abstimmen, die als Konservative ihren Sparkurs unterstützen.