Ein französischer Soldat in der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik © Stephane de Sakutin/AFP/Getty Images

Die Meldungen über den Zustand des Militärs aus Frankreich und Deutschland unterscheiden sich derzeit deutlich. Während die Bundeswehr vor allem mit Pannenflugzeugen, defekten Panzern und kaputten Hubschraubern Schlagzeilen macht, fliegt die französische Luftwaffe Angriffe auf Dschihadisten-Stellungen im Nordirak.   

Wie kommt es zu diesen Unterschieden? Das Militär in Frankreich hat zum ersten eine ganz andere Rolle in der Gesellschaft. Das fängt schon mit der Befehlskette an: In Deutschland muss der Bundestag nach langen Parlamentsdebatten einem Bundeswehreinsatz zustimmen.  

Anders in Frankreich. Wenn Präsident François Hollande es will, dann schlägt die Armee zu, blitzschnell, auch ohne fremde Hilfe. Das war etwa die Botschaft der französischen Armee nach der Enthauptung der französischen Geisel Hervé Gourdel durch algerische Dschihadisten. So bombardierten am Donnerstag schon zum zweiten Mal in dieser Woche französische Rafale-Kampfflugzeuge Ziele im Nordirak. Sie warfen vier 250-Kilo-Bomben auf angebliche Waffenlager des "Islamischen Staates" (IS) in der Nähe von Falludscha ab, in 60 Kilometer Entfernung von Bagdad.

Die Rafale-Einsätze im Irak begannen vergangene Woche nach einer Entscheidung des französischen Verteidigungsrates. Ihm gehören der französische Präsident, führende Minister und die Militärführung an – die Entscheidung trifft aber der Präsident allein. Danach ging alles sehr schnell: Schon Stunden nach seiner Entscheidung starteten die Rafale.   

Schnelle Entscheidung in Mali

So war es auch im Januar 2013 beim französischen Militäreingriff in Mali: Fünf Stunden nach der Entscheidung im Verteidigungsrat hoben französische Hubschrauber zum Einsatz ab. Militärexperten sehen in dieser schnellen Entscheidungsfindung und der sehr kurzen Befehlskette deutliche strategische Vorteile der französischen Armee.

Ein weiterer Vorteil ist die Truppenstärke. Frankreich hat zwar bereits im Jahr 2001 die Wehrpflicht abgeschafft – also 10 Jahre vor Deutschland. Dennoch stehen noch immer 222.000 Soldaten unter Befehl des französischen Präsidenten. Dabei sind noch nicht die knapp 100.000 Uniformierten der Gendarmerie mitgerechnet, die auch militärische Aufgaben übernehmen können. Das deutlich bevölkerungsreichere Deutschland leistet sich nur 181.000 Soldaten.

Hinzu kommt die flexible Einsatzfähigkeit. 7.800 Soldaten hat Frankreich derzeit im Ausland stationiert, 3.000 allein in Mali. Darunter zahlreiche Fremdenlegionäre und besonders ausgebildete Spezialeinheiten. Zum Vergleich: Derzeit sind 3.500 Bundeswehr-Soldaten im Auslandseinsatz.