Die Flagge Schottlands © Simon Dawson/Getty Images

Die Zustimmung für ein unabhängiges Schottlands wächst. Zwei Wochen vor dem Volksentscheid liegen die Gegner einer britischen Union nur noch sechs Prozentpunkte hinter den Befürwortern. Das ist das Ergebnis einer YouGov-Umfrage für die Tageszeitungen The Sun und The Times. Damit ist ein Votum für die Abspaltung Schottlands erstmals eine realistische Option, wie der Chef des Umfrageinstituts, Peter Kellner, sagte. Bislang waren die Anhänger eines einigen Großbritanniens klar in der Mehrheit. Vor einem Monat lagen sie in Umfragen noch 22 Prozentpunkte vorn.

Laut der Umfrage sind von 1.063 Befragten derzeit 48 Prozent gegen eine Abspaltung und 42 Prozent dafür. Zehn Prozent sind unentschieden oder wollen nicht abstimmen. Gegner der Unabhängigkeit sind erstmals in einer YouGov-Umfrage weniger als 50 Prozent; erstmals stieg die Quote der Befürworter auf über 40 Prozent. Zieht man die erklärten Nichtwähler und die Unentschiedenen ab, ergeben sich 53 Prozent für die Gegner der Unabhängigkeit Schottlands und 47 für die Befürworter.

Rund vier Millionen Einwohner Schottlands können ihre Stimme abgeben. Das Referendum über die Unabhängigkeit ab dem Jahr 2016 findet am 18. September statt. 

Der britische Premierminister David Cameron war vor wenigen Tagen nach Schottland gereist, um dortige Wirtschaftsführer vom Verbleib im Königreich zu überzeugen. 200 schottische Unternehmenschefs sprachen sich aber in einem offenen Brief für die Eigenständigkeit aus.

Die britische Regierung warnt unter anderem davor, dass Schottland im Fall einer Loslösung das Pfund nicht behalten könne. Dies hätte wohl tiefgreifende Auswirkungen auf die schottische Wirtschaft. Die Befürworter der Unabhängigkeit sind für die Beibehaltung der britischen Währung. Ein weiterer wichtiger Streitpunkt in der Debatte ist die Frage, ob Schottland als eigenständiger Staat ohne Weiteres Mitglied der Europäischen Union bleiben könnte.