Demonstranten in Hongkong tragen Mundschutz und Regenmäntel. © Alex Ogle / Getty

Die prodemokratische Bewegung in Hongkong hat die Besetzung des Finanzdistrikts der asiatischen Wirtschaftsmetropole angekündigt. Der Führer der Occupy-Central-Bewegung, Benny Tai, teilte mit, dass die lange angedrohte Kampagne des zivilen Ungehorsams in der chinesischen Sonderverwaltungsregion sofort beginnen werde. Seine Gruppe schließe sich den Protesten der Studenten an, die bereits seit einer Woche demonstrieren.

Es sei Zeit, "sich zu erheben und zu handeln", sagte Tai. "Eine neue Ära des zivilen Ungehorsams hat begonnen." Tausende demonstrierten am Sonntagmorgen in den Straßen um den Regierungssitz, zunehmend schlossen sich mehr Hongkonger den Demonstranten an. Viele brachten Wasser, Nahrungsmittel und Schwimmbrillen mit, um die Augen gegen Tränengas oder Pfefferspray zu schützen. Langjährige Oppositionspolitiker wie Martin Lee oder Audrey Eu und Hongkongs Kardinal Joseph Zen traten in der Nacht vor den Demonstranten auf, um ihre Unterstützung für die Bewegung zu zeigen. Laut Angaben von lokalen Medien zogen Hunderte Polizisten (livestream) an der Demonstration auf. 

Bereits am Vortag waren 74 Studenten festgenommen und 29 Demonstranten und Polizisten verletzt worden, als es bei zweitägigen Protesten am Ende eines einwöchigen Studentenstreiks zu Zusammenstößen kam. Darunter waren die drei Studentenführer Joshua Wong, Alex Chow und Lester Shum. Dem 17-jährigen Wong wurden Tätlichkeiten gegen Polizisten vorgeworfen.

Es waren die ersten schweren Zwischenfälle seit Beginn der jüngsten Protestwelle. Ursprünglich hatte die Occupy-Central-Bewegung für Mittwoch einen Massensitzstreik im zentralen Finanzdistrikt nahe des Regierungssitzes geplant.

Der Unmut der Demonstranten entzündete sich an der Entscheidung der chinesischen Regierung, keine öffentlichen Kandidaten für die Wahl in Hongkong 2017 zuzulassen. Stattdessen sollen die Aspiranten von einem Komitee ausgewählt werden. Dabei hatte die kommunistische Zentralregierung ein allgemeines Wahlrecht versprochen. Nun fordern die Demonstranten lückenlose demokratische Wahlen in der einstigen britischen Kolonie. China übernahm Hongkong 1997 als Sonderverwaltungszone von Großbritannien.