Palästinenser stehen vor ihren zerstörten Häusern in Gaza-Stadt. © Mohammed Abed/AFP/Getty Images

Das israelische Außenministerium hat sich für internationale Truppen im Gazastreifen ausgesprochen, die den Wiederaufbau in der Region überwachen sollen. Das berichtete die israelische Zeitung Haaretz. Der Vorschlag basiere auf Ideen Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs sowie anderer europäischer Länder. Zu den Aufgaben der Truppe solle demnach auch gehören, eine Aufrüstung der dort herrschenden Hamas sowie anderer Terrororganisationen zu verhindern, schrieb das Blatt. Ein Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. 

Hamas-Führer Ismail Hanija hatte zuvor eine Entwaffnung militanter Gruppen im Gazastreifen abgelehnt. Man werde keiner derartigen Vereinbarung zustimmen. Israel verlangt eine Demilitarisierung der Küstenenklave. Die Hamas hingegen fordert die Eröffnung eines See- und eines Flughafens sowie ein Ende der langjährigen Blockade durch Israel. Die Konfliktparteien hatten vereinbart, indirekte Verhandlungen über diese und weitere Punkte binnen eines Monats nach Inkrafttreten der Waffenruhe aufzunehmen, die seit Ende August gilt.   

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat der radikalislamischen Hamas mit einem Bruch der Zusammenarbeit gedroht. Sollte die Hamas-Führung nicht endlich die Autorität der Einheitsregierung akzeptieren, werde es "keine weitere Partnerschaft geben", zitierte ihn die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. In dem Gebiet am Mittelmeer gebe es eine Schattenregierung der Hamas, die der Einheitsregierung im Wege stehe, habe Abbas am Samstagabend zu Beginn eines dreitägigen Besuchs in der ägyptischen Hauptstadt Kairo hinzugefügt.

"Es gibt 27 Unterstaatssekretäre von Ministerien, die die Macht im Gazastreifen ausüben", sagte Abbas. "Die Regierung der nationalen Einheit kann nicht tätig werden." Ähnlich berichtete auch die ägyptische Nachrichtenseite Al-Masry al-Youm. Abbas habe nun eine Delegation angewiesen, mit der Hamas eine neue Partnerschaft auszuhandeln.

Die Hamas hatte 2007 im Gazastreifen die Macht übernommen, während im Westjordanland die von Abbas geführte Palästinenserpartei Fatah herrscht. Seitdem sind die beiden palästinensischen Gebiete Israels faktisch zweigeteilt. Anfang Juni bildeten beide Organisationen dann erstmals wieder eine Einheitsregierung.

Wiederaufbau kann Jahrzehnte dauern

Der Wiederaufbau des Gazastreifens könnte 20 Jahre dauern, schätzen Spezialisten der Organisation Shelter Cluster. 17.000 Wohnungen in dem Küstenstreifen seien im jüngsten Krieg zerstört oder schwer beschädigt worden. Shelter Cluster wird von den Vereinten Nationen und dem Roten Kreuz geleitet. Seine Experten gingen bei ihrer Einschätzung davon aus, dass täglich 100 Lastwagen mit Baumaterial von Israel über die Grenze nach Gaza kommen können.

Palästinensische Stellen schätzen die Kosten des Wiederaufbaus auf 4,6 Milliarden Euro. Ägypten und Norwegen haben vorgeschlagen, im September eine Geberkonferenz einzuberufen.

Demonstrationen gegen Enteignungen durch Israel

Am späten Freitagabend demonstrierten Hunderte Palästinenser im Westjordanland gegen die geplante Enteignung von Land durch Israel. Die palästinensische NachrichtenagenturMaan berichtete von Demonstrationen unter anderem nahe Ramallah. Auch in Wadi Fukin bei Bethlehem gingen Menschen auf die Straße. Der Ort soll von der jüngsten Landnahme betroffen sein. Die Demonstranten forderten auch ein Ende der israelischen Besatzung. 

Am selben Tag hatte die israelische Landbehörde den Bau von 283 Wohneinheiten im Westjordanland ausgeschrieben. Vergrößert werden soll demnach die Siedlung Elkana einige Kilometer östlich der grünen Linie. Zuvor war bekannt geworden, dass Israel 400 Hektar Land westlich von Bethlehem zu "Staatsland" erklärt hatte. Die internationale Gemeinschaft hatte diese Ankündigung scharf kritisiert. Sie hält Israels Siedlungen im Westjordanland und in Ostjerusalem für illegal.