Unter Führung der USA haben mehrere Nato-Staaten in der Ukraine ein umstrittenes elftägiges Manöver gestartet. Auch die Bundesrepublik ist mit einigen Soldaten vertreten. Russland kritisierte die Präsenz der etwa 1.300 Militärs aus 15 Staaten als Provokation angesichts des Krieges in der Ostukraine. Das Kampfgebiet liegt etwa 1.200 Kilometer von dem Truppenübungsgelände in der Westukraine entfernt.

"Augenblicklich steht uns ein Gegner mit einer der mächtigsten Armeen der Welt und Atomwaffen gegenüber", sagte der ukrainische Oberst Alexander Spiwak zum Start des Manövers mit Blick auf Russland. Die ukrainische Führung sieht das Nachbarland als Aggressor.

Die Übung Rapid Trident (Schneller Dreizack) in Jaworiw in der Nähe der Großstadt Lwiw (Lemberg) ist bis zum 26. September angesetzt. Das Manöver werde jährlich organisiert, teilten die in Europa stationierten US-Streitkräfte mit. Geübt würden unter anderem die Entschärfung von improvisierten Sprengsätzen sowie die Organisation von Patrouillen.

Im Krisengebiet Donbass kämpfen ungeachtet einer offiziellen Waffenruhe ukrainische Regierungstruppen und prorussische Separatisten gegeneinander. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko äußerten sich nach Angaben aus Kiew in einem Telefonat besorgt über den Bruch der Waffenruhe. Angesichts mehrerer Verstöße gegen die Feuerpause hätten sich die beiden Politiker erneut für eine friedliche Lösung des Konflikts in der Ostukraine ausgesprochen, teilte die Präsidialverwaltung mit.

Nato-Staaten liefern angeblich bereits Waffen

Unterdessen begannen mehrere Nato-Staaten nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministers Waleri Geletej mit Waffenlieferungen für die Regierungstruppen. "Der Prozess der Übergabe läuft", sagte Geletej dem Fernsehsender 5. Kanal, der Poroschenko gehört. "Wir brauchen Waffen", bekräftigte Geletej. Zur Art der Waffen und zu den Herkunftsländern machte der Minister keine Angaben.

Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin bestätigte am Wochenende im Fernsehen Verhandlungen über Waffenlieferungen. "Ich sage Ihnen ganz ehrlich, dass es um mehr als fünf Länder geht. Es handelt sich um viele", sagte Klimkin dem Kiewer Kanal Perwy Nationalny. "Einige Länder geben das eine, einige wiederum das andere. Es ist eine ganze Palette", sagte er.

Poroschenko hatte nach seinem Besuch des Nato-Gipfels in Wales vor mehr als einer Woche überraschend von geplanten Waffenlieferungen berichtet. Präsidentenberater Juri Luzenko nannte die Länder Polen, Frankreich, Norwegen, Italien und die USA. Diese dementierten aber die Pläne.