Ein Teil des Wracks der Passagiermaschine MH17 © Maxim Zmeyev/Reuters

Die Passagiermaschine MH17 wurde durch eine "Vielzahl hochenergetischer Objekte" zum Absturz gebracht, die das Flugzeug von außen durchbohrten. Das ist das Ergebnis eines Zwischenberichts, den niederländische Ermittler etwa sieben Wochen nach dem Absturz der Boeing der Malaysia Airlines über der Ostukraine vorlegten. Die Trümmer am Boden deuteten darauf hin, dass die Maschine schon in der Luft in mehrere Teile zerbrochen sei. Der Bericht legt somit nahe, dass die Maschine tatsächlich von einer Rakete abgeschossen wurde. Offiziell ist von einer Rakete in dem Bericht aber nicht die Rede. Zudem bleibt die Frage offen, wer für den Beschuss verantwortlich ist.  

Laut dem Zwischenbericht gibt es keine Anzeichen für einen technischen Fehler oder einen Notfall an Bord des Flugzeugs. Es habe keine Warnsignale im Cockpit oder Notrufe an die Flugsicherheit gegeben, die darauf hindeuten könnten, heißt es. Beim Abflug sei MH17 voll funktionsfähig gewesen. Auch könne menschliches Versagen als Absturzursache ausgeschlossen werden.

Der Zwischenbericht ist vorläufig und enthält die bisher vorliegenden Fakten "auf der Basis der verfügbaren Quellen", wie der niederländische Sicherheitsrat vor der Veröffentlichung mitteilte. Den Ermittlern standen die Daten der Flugschreiber, Satellitenaufnahmen, Radarbilder, Fotos der Wrackstücke und Daten der Luftverkehrsleitung zur Verfügung. Die Ukraine hatte die Untersuchung an den Sicherheitsrat delegiert. Der meisten Menschen, die bei dem Absturz ums Leben kamen, waren niederländische Staatsbürger.

Die ukrainische Regierung und der Westen gehen davon aus, dass Flug MH17 von prorussischen Separatisten abgeschossen wurde.     

Die Reaktionen

Nach Ansicht der Separatisten belastet der Untersuchungsbericht die Regierung in Kiew. "Es ist offensichtlich, dass es eine Provokation der ukrainischen Armee war, um Russland und die Volkswehr zu diskreditieren", sagte Separatistenführer Miroslaw Rudenko am Dienstag der Agentur Interfax zufolge. "Es gibt eine hohe Zahl von Widersprüchen in der ukrainischen Version, und der Report bestätigt dies nur", sagte er in Donezk. Ähnlich äußerte sich Separatistenführer Alexander Sachartschenko. "Wir verfügen nicht über die Technik, um ein solches Flugzeug abzuschießen", behauptete er.

Das russische Luftfahrtamt hat den Zwischenbericht als wenig aussagekräftig bezeichnet. "Leider ist viel Zeit verstrichen – es wird kompliziert sein, alle Ursachen zu ermitteln", sagte Experte Oleg Stortschewoj der Agentur Interfax. Die Leichen der Passagiere hätten lange ohne Untersuchung an der Absturzstelle gelegen und die Wrackteile seien in der ukrainischen Kampfzone möglicherweise in Mitleidenschaft gezogen worden. "Der Bericht ist erst der Beginn einer langwierigen Arbeit. Die objektive Untersuchung muss fortgesetzt werden."

Der Absturz

Die Passagiermaschine war am 17. Juli auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur abgestürzt. Absturzort war ein Feld nahe dem Ort Schachtarsk, etwa in der Mitte zwischen Donezk und Luhansk. Alle 298 Insassen kamen ums Leben, 193 wurden inzwischen identifiziert. Unter den Toten sind auch vier Deutsche. 

Die ukrainische Regierung und der Westen gingen von Beginn an davon aus, dass Flug MH17 von prorussischen Separatisten abgeschossen wurde. Der ukrainische Geheimdienst hatte nach eigenen Angaben Telefongespräche abgehört, in denen Rebellen den Abschuss eingestehen sollen. Die USA hatten erklärt, Russland habe den Rebellen das mobile Raketensystem Buk geliefert. Russlands Präsident Wladimir Putin gab indes der Ukraine die Schuld. Das Unglück wäre nicht passiert, wenn es in der Ostukraine keinen Krieg gäbe, hatte er kurz nach dem Absturz gesagt.   

Eine ausführliche Chronologie der Ereignisse nach dem Absturz finden Sie hier.

Die Untersuchung des Unglücks

Die OSZE hatte nach dem Absturz umgehend Experten an den Unglücksort entsandt. Sie beklagten sich über die Zustände vor Ort. Bewaffnete und teils maskierte Separatisten erschwerten ihren Angaben zufolge die Arbeit des internationalen Teams.  

Die niederländischen Experten hatten wegen der heftigen Kämpfe die Unglücksstelle nie selbst untersuchen können. Kurz nach dem Absturz seien ukrainische Luftverkehrsexperten einige Male in dem Gebiet gewesen, teilte der niederländische Sicherheitsrat mit. Sobald die Sicherheitslage es zulasse, will der Rat eigene Fachleute in das Gebiet entsenden. 

Das weitere Vorgehen

Die detaillierte Untersuchung des Absturzes ist noch im Gang. Laut dem niederländischen Sicherheitsrat sind weitere Ermittlungen notwendig, um die genaue Ursache zu klären. Die Ermittler gehen demnach davon aus, dass weitere Beweise bald vorliegen werden.

Der Sicherheitsrat hatte die Veröffentlichung des Zwischenberichtes mehrfach verschoben und dies mit der komplexen Situation und der großen Zahl von beteiligten Ländern begründet. Der Abschlussbericht soll innerhalb eines Jahres nach dem Absturz vorliegen.