"Wenn ich wollte, könnte ich Kiew binnen zwei Wochen einnehmen" – der Kreml wehrt sich dagegen, dass Russlands Präsident Wladimir Putin diesen Satz in einem Telefongespräch gegenüber dem EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso geäußert haben soll. Um "Missverständnisse auszuräumen" wolle Russland zur Not das Telefongespräch zwischen Putin und Barroso veröffentlichen, sagte der russische EU-Botschafter Wladimir Tschischow. Er habe Barroso schriftlich damit gedroht, den Inhalt des Gesprächs an die Öffentlichkeit zu geben, berichteten russische Nachrichtenagenturen.

Tschischow habe Barroso in seinem Brief zwei Tage Zeit gegeben, Einspruch gegen die Veröffentlichung zu erheben. Putin-Berater Juri Uschakow hatte Barroso zuvor Vertrauensbruch vorgeworfen. Es sei unwürdig, dass Barroso öffentlich über das private Gespräch mit Putin geredet habe. Außerdem sollen Putins Worte "aus dem Zusammenhang gerissen" worden sein. Der italienischen Tageszeitung La Repubblica zufolge hatte Barroso das Zitat Putins auf dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten in Brüssel wiedergegeben.     

Erst am Sonntag hatte Putin mit der Forderung irritiert, die Ukraine solle über die Eigenstaatlichkeit der prorussischen Rebellen im Osten des Landes verhandeln. In dem Zusammenhang benutzte er mit Noworossija – Neurussland – einen Begriff der Separatisten. Was genau Putin damit meinte, blieb jedoch unklar. Kurze Zeit später korrigierte Putins Sprecher Dmitri Peskow dies und sagte, dass der zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen umkämpfte Teil der Ostukraine "natürlich" Teil der Ukraine bleiben solle. 

Die Separatisten hingegen fordern einen Sonderstatus für die Ostukraine. Bei einem Treffen der Kontaktgruppe (Separatisten, Russland, OSZE) im weißrussischen Minsk am Montag machten sie das deutlich. Sie forderten bisher einen unabhängigen Staat Neurussland. In einem bekannt gewordenen Positionspapier stellten sie neun Bedingungen an Kiew: Sie fordern unter anderem ein Ende des ukrainischen Militäreinsatzes, einen Waffenstillstand und die Freilassung aller Gefangenen.