Russlands Präsident hat sich aggressiver gezeigt als man es von ihm gewohnt ist. Während die EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel über Einzelheiten der Sanktionen berieten, drohte Wladimir Putin damit, er könne die ukrainische Hauptstadt binnen kurzer Zeit einnehmen. Das berichtet die italienische Zeitung La Repubblica auf ihrer Website und beruft sich auf Aussagen des scheidenden EU-Kommissionspräsidenten. 

José Manuel Barroso hat demnach auf dem Gipfel in Brüssel am Wochenende vor den Staats- und Regierungschefs von einem Gespräch mit Putin berichtet. Barroso habe Putin um eine Erklärung gebeten und ihn gefragt, ob das russische Militär die Grenze der Ukraine überschritten habe, schreibt La Repubblica. Daraufhin habe der russische Präsident geantwortet: "Das ist nicht das Problem – aber wenn ich will, nehme ich Kiew in zwei Wochen ein." 

Ein Diplomat, der den Gipfel begleitete, bestätigte die Aussagen Barrosos gegenüber Spiegel Online. Die italienische Zeitung interpretiert die Drohung Putins als Warnung an den Westen, Russland und den Präsidenten nicht mit neuen Sanktionen zu provozieren. 

Großbritanniens Premierminister David Cameron habe daraufhin gesagt: "Putin hat sich schon die Krim genommen und wir dürfen nicht erlauben, dass er sich das ganze Land nimmt." Die Staats- und Regierungschefs sollen sich darin einig gewesen sein, dass Putin kein rationaler Akteur mehr sei, sondern sich von Nationalismus treiben lasse.

Merkel sauer auf Putin

Die Stimmung auf dem Gipfel war laut der italienischen Zeitung erhitzt. Auch Kanzlerin Angela Merkel habe sehr deutlich gemacht, dass sie wütend auf den russischen Präsidenten sei. Er halte sich nicht an Zusagen und tue alles dafür, dass sich die Lage im Osten der Ukraine in Richtung einer militärischen Eskalation bewege, soll Merkel demnach gesagt haben. Sie warnte davor, dass sich die russische Expansionspolitik auch auf Lettland und Estland ausdehnen könnte. Neue Sanktionen seien deshalb notwendig.

Die Lage in der Ukraine bleibt angespannt. Die ukrainische Armee zog sich nach eigenen Angaben von einem umkämpften Flughafen bei Luhansk zurück. Dort hätten sich ukrainische Fallschirmjäger heftige Kämpfe mit einem Panzerbataillon der russischen Streitkräfte geliefert. Kanzlerin Angela Merkel warf Russland vor, in dem Konflikt gewaltsam die Grenzen verändern zu wollen. Inzwischen sei klar, dass es sich um einen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine handele und nicht um eine innerukrainische Auseinandersetzung, sagte Merkel in einer Regierungserklärung im Bundestag.